Was ist eigentlich… Armagnac?

Armagnac – schon dieses Wort strahlt eine geheimnisvolle Faszination und die Ehrwürdigkeit gleichsam mythischer Vorzeit aus. Da den meisten Cognac-Trinker zwar der Name durchaus bekannt sein dürfte, doch nur die wenigsten vertraut sind mit beiden Weinbränden, wollen wir heute der Frage nachgehen, was sich hinter dem klangvollen Ausdruck Armagnac eigentlich verbirgt und was ihn von seinem französischen Verwandten unterscheidet.

Janneau VSOP Grand Armagnac

Urkundlich erwähnt wird Armagnac zum ersten Mal 1461. Armagnac ist also nicht unwesentlich älter als Cognac, der sich “nur” bis ins 17. Jahrhundert gesichert zurückverfolgen lässt.

Ebenso wie dieser verdankt sich auch der Name Armagnac einer geographischen Region – dort die Stadt nördlich von Bordeaux, hier eine alte Grafschaft im Südwesten Frankreichs – und meint eine konkrete Herkunftsbezeichnung, ist also geschützt durch ein entsprechendes EU-Qualitätssiegel. Den AOC-Status (Appellation d’Origine Contrôlée) hat der Brand seit 1936 inne.

Grundlage der Herstellung von Armagnac sind Weißweine, die aus Trauben der Gascogne gewonnen werden – einer historischen Provinz, die sich von Toulouse bis zur Küste am Golf von Biskaya erstreckt. Als Anbaugebiet für den späteren Armagnac zugelassen ist von diesem riesigen Areal aber nur eine relativ kleine Fläche von etwa 15.000 Hektar in den Départements Gers, Landes und Lot-et-Garonne, das sich wiederum unterteilt in Bas-Armagnac, Ténarèze und Haut-Armagnac. Im Gegensatz zu den qualitativ unterschiedlichen Crus in der Cognac-Herstellung sind diese Gebiete aber als gleichwertig einzuschätzen – die Vorsilbe “bas” (niedrig), bzw. “haut” (hoch) bezeichnet einfach die geografische Lage des Weinbergs.

Karte der Armagnac Anbaugebiete

Anders als Cognac bedarf Armagnac traditionell nur eines einzigen Brennvorgangs in einer kupfernen Brennblase. Die weitere Lagerung erfolgt allerdings auch hier in Eichenfässern, gefertigt aus der charakteristischen Gascogner Steineiche.

Daneben gibt es beim Armagnac die teils identischen Altersprädikate, bzw. Qualitätsstufen:

  • Trois Etoiles – bei dem die Reifung mindestens ein Jahr betragen muss
  • VS – bei dem die Reifung mindestens zwei Jahre betragen muss
  • VSOP – bei dem die Reifung mindestens vier Jahre betragen muss
  • XO – bei dem die Reifung mindestens sechs Jahre betragen muss
  • Hors d’Age – bei dem die Reifung mindestens zehn Jahre betragen muss

Die ganz großen Namen sucht man beim Armagnac leider vergebens – die noch vergleichweise bekannten Häuser Janneau, Armadis oder Francis Darroze sind weit davon entfernt, eine ähnliche internationale Breitenwirkung wie z.B. Martell oder Rémy-Martin zu erzielen.

Dass es Armagnac aber erkennbar an Popularität mangelt, obwohl auch hier alle Voraussetzungen gegeben wären, um als exklusives Luxusprodukt geschätzt zu werden, er teils sogar ein wenig abschätzig als “kleiner Bruder” seines berühmteren französischen Verwandten bezeichnet wird, findet seinen Hintergrund in der Nachkriegszeit. Die damalige starke Nachfrage kippte rasch um in eine Verramschung dieses ältesten  französischen Branntweins und hinterließ bei vielen Konsumenten jene unzutreffende Vorstellung eines minderwertigeren Cognacs – ein Imageverlust, von dem sich der Armagnac  bis heute nicht ganz erholt hat. Um im obigen Bild zu bleiben, steht es also weiterhin aus, dass Armagnac als dem Cognac ebenbürtiger Bruder wahrgenommen wird. Das Zeug dazu hat er allemal.

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