Frapin Cognac

Das Haus Frapin ist seit mittlerweile 20 Generationen in der Cognac-Herstellung tätiig. Ursprünglich eine Familie von Weinbauern, wurde sie schließlich berühmt durch ihre Brandweine, die ausschließlich aus der Grande Champagne stammen. Das Anwesen der Familie ist seit jeher das eindrucksvolle Château Fontpinot am Rande des Städtchens Segonzac. Frapin war das erste Cognac Haus, das einen Brand aus verschiedenen Jahrgängen cuviert hat (Multi-Vintage-Cognac), um komplementäre Geschmacksnoten kombinieren und die Nuancen des Bouquets besonders fein ausbalancieren zu können.

Geschichte

Die Geschichte der Familie Frapin im Südwesten Frankreichs lässt sich bis ins Jahr 1270 zurückverfolgen. Zunächst nur im Weinbau tätig, wurde schließlich die Kunst der Destillation, Lagerung und Verschneidung von Cognac zur eigentlichen Tradition des Hauses. Der Besitz der Familie, zentral in der Grande Champagne gelegen, vom französischen Gesetzgeber als “Premier Grand Cru” ausgewiesen, umfasst etwa 300 Hektar, 216 davon dienen dem Rebbau.

Château Fontpinot

Das zweifelsohne berühmteste Familienmitglied ist kein geringerer als Francois Rabelais, Sohn von Antoine Rabelais und Catherine Frapin, Benediktiner, Arzt und Anatom, Humanist und einer der wirkmächtigsten Prosa-Autoren des 16. Jahrhundert, dem die französische Sprache heute noch manch Redewendung und einer der Brände des Hauses Frapin seinen Namen verdankt: Cuvée Rabelais.

Frapin Cognac heute
Während das Unternehmen heute von Béatrice Frapin geführt wird, liegt der Besitz in den Händen ihrer Eltern Genevieve Frapin und Max Cointreau. Hier wird deutlich, wie eng die verschiedenen Cognac-Häuser miteinander zusammenhängen – ist das Paar doch über die Aktiengesellschaft Rémy-Cointreau mit einem Konkurrenten von Frapin verbunden: dem Haus Rémy Martin.

Frapin Cognac ist stark im ökologischen Landbau engagiert und damit einer der Vorreiter für nachhaltige Entwicklung auch in der Cognac-Herstellung.

Olivier Paultes was Kellermeister des Hauses seit 1989, bis 2011 (Nun bei Hennessy). Auf ihn geht die Idee zurück, verschiedene Jahrgänge zu einem Multi-Vintage-Cognac zu verschneiden

Wie nicht wenige andere namenhafte Cognac-Hersteller hat ebenso Frapin sein Geschäft auf andere Luxusgüter ausgeweitet und hält mittlerweile auch Schokolade und Kaffee in seinem Programm.

Neuigkeiten, Produkte, Anekdoten
Die Einführung eines Multi-Vintage-Cognacs war ein genialer Schachzug, der selbst Kenner der Szene verblüfft hat. So nimmt es nicht wunder, dass die Frapin Multimillésime Série No. 1 – eine streng limitierte Kombination der Jahrgänge 1982,1983 & 1985 – den Titel “World’s finest spirit” beim “Wines & Spirits Challenge” erhielt. 2010 folgte die Multimillésime Série No. 2 als „Best Cognac of the Year“ beim “International Spirit Challenge” und die Multimillésime Série No. 3 mit Goldauszeichnung bei der “International Spirit Fair” in London.

Multimillésime No. 3 von Frapin

Besuchsmöglichkeiten

Bei einem Besuchswunsch kann über die Homepage direkt Kontakt zu Frapin Cognac aufgenommen werden.

Hine Cognac

Am Ufer der Charente, im Herzen der Grande Champagne gelegen, produziert Hine Cognac seit nun sechs Generationen einen exklusiven Cognac. Das Anbaugebiet umfasst etwa 173 Hektar, gerade genug, um eine vergleichsweise geringe Menge bei herausragender Qualität produzieren zu können. Eine besondere Spezialität sind die Single-Vintage-Cognacs, die zunächst in Jarnac, dann im englischen Bristol gelagert werden. Durch die unterschiedlichen Reifungsbedingungen wird so ein außerordentlich komplexes Bouquet erreicht. Diese hochpreisigen Weinbrände sind bekannt unter dem Namen Hine Early-Landed Vintage Cognacs.

Geschichte
1791 verlässt der junge Thomas Hine seine Heimat, die Grafschaft Dorset im Südwesten Englands und zieht in die Region um Cognac, möglicherweise, um von dort aus den Branntwein-Schmuggel für seine Familie organisieren zu können. In der Französischen Revolution gerät er in Gefangenschaft und wird im Schloss von Jarnac festgehalten – allerdings nicht als Schmuggler, sondern weil er der Spionage für das Vereinigte Königreich verdächtigt wird. Nach seiner Freilassung heiratet er eine junge Frau aus der Region, deren Vater ein Cognac-Haus besitzt, dass er von nun an wesentlich mitgestalten wird. Im Jahre 1821 verleiht er dem Unternehmen seinen endgültigen Namen “Thomas Hine & Co”. Sein früher Tod im Alter von 47 nur ein Jahr später kommt zwar völlig überraschend, doch kann sein Sohn Thomas Georges bereits auf ein florierendes Geschäft aufbauen. Im Laufe der Zeit, vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird durch Georges Thomas und Francois Thomas Hine der Export ausschlaggebend für den Erfolg des Hauses.

Für die Familie Hine gilt das Motto “weniger ist mehr” und so beschränkt sich das Sortiment auf wenige hochklassige Brände, darunter Cognac Hine Rare VSOP, Hine Antique XO, Hine Triomphe oder die Hine Jarnac, bzw. Early-Landed Vintage Cognacs. Der Erfolg gibt ihnen recht: so ist das Haus immer wieder Hoflieferant gewesen, etwa für den Habsburger Kaiser Franz Joseph I. oder derzeit für die englische Königin Elisabeth II.

Hine Cognac heute
Den Blick sowohl auf die Tradition wie auf zukunftsträchtige Märkte und Technologien gerichtet, engagiert sich das Unternehmen heute z.B. in der ökologischen Landwirtschaft. Der derzeitige Kellermeister Eric Forges stellt sicher, dass auch weiterhin besonders gute Jahrgänge als Single-Vintage-Cognacs reifen – eine lang gepflegte Tradition des Hauses.

Neuigkeiten, Produkte, Anekdoten
Nach über 200 Jahren, in denen das Anwesen der Familie unverändert Bestand hatte, wurde das Interieur des Gutsbesitzes jüngst vom britischen Designer Russel Sage von Grund auf umgearbeitet

Besuchsmöglichkeiten
Führungen werden nach Vereinbarung in französischer wie englischer Sprache angeboten. Ein Kontakt kann über die Homepage von Hine hergestellt werden.

Camus Cognac

Camus Cognac ist das letzte der großen Cognac Häuser, dass sich noch vollständig in Familienbesitz befindet – mittlerweile in der fünften Generation. Neben seiner Traditionsverbundenheit wusste das Unternehmen immer auch auf sich verändernde wirtschaftliche Bedingungen zu reagieren: sei es durch die konsequente Nutzung des internationalen Duty-Free-Markts, sei es durch die Eröffnung einer Cognac-Lounge im Herzen Pekings. Mit einer Produktpalette, die neben Cognac heute auch Wein, Champagner und Kaffee umfasst, werden von Camus breite Käuferschichten angesprochen. Dabei beweist das Haus immer wieder Mut zu ungewöhnlichen Schritten. Ein Beispiel dafür ist der Île de Ré Cognac, dessen Eaux-de-vie nicht aus dem klassischen Cognac-Anbaugebiet, sondern – daher auch der Name – aus einer vor der französischen Westküste gelegenen Insel stammen.

Geschichte
Ursprünglich 1863 von Jean-Baptiste Camus als Verbund verschiedener Weingüter zur gemeinsamen Cognac-Herstellung unter dem Namen “La Grande Marque” gegründet, wurde das Konsortium von ihm 1890 in alleiniger Verantwortung übernommen und trug fortan den Titel “Camus – La Grande Marque”. Nach seinem Tod im Jahre 1894 übernehmen die beiden Söhne die Leitung des Hauses. Während sich der ältere, Edmond, als Kellermeister betätigt und – als einer der ersten in der Cognac-Branche überhaupt – anregt, die Brände in einheitlich beschrifteten Flaschen zu verkaufen, widmet sich der jüngere, Gaston, dem Exportgeschäft. 1910 gelingt ihm der Coup, dass Camus offizieller Lieferant des letzten Zaren von Russland, Nicolai II. wird. 1932 tritt Michel Camus ins Geschäft ein und bringt das Exportgeschäft weiter voran, insbesondere, indem er das gewaltige Potential des Duty-Free-Markts erkennt, der zu einem Grundpfeiler des internationalen Erfolgs von Camus Copgnac werden soll. So beginnt in den 1960er Jahren die Zusammenarbeit mit der amerikanischen Duty-Free-Shoppers-Gruppe, bei der das Sortiment um exklusive Dekanter aus Limogese-Porzellan und Baccarat-Kristall erweitert wird. 1977 wird Jean-Paul Camus neben seinem Vater Kellermeister und übernimmt nach und nach das internationale Geschäft. Die schon zuvor betriebene Expansion in den asiatischen Raum trägt entscheidend dazu bei, Camus als eines der fünf größten Cognac-Häuser weltweit zu etablieren.

Grundlage aller Cognacs aus dem Hause Camus sind Cuvées vier verschiedener Weingüter mit jeweils eigener Destille: die Châteaux d`Uffaut und Bonneuil in der Grande Champagne sowie die Châteaux du Plessis und Vignolles in den Borderies. Da mit diesem Familienbesitz allerdings nur ca. 8 % des tatsächlichen Bedarfs abgedeckt werden können, werden zusätzlich Destillate anderer Crus hinzugezogen.

Camus Cognac heute
2003 tritt Cyrill Camus in das Unternehmen ein. Nicht zuletzt seinem Engagement und Modernisierungswillen ist es zu verdanken, dass das Haus sich auch weiterhin in Familienbesitz befindet Unter seiner Federführung wurde das Interieur des Familienanwesens Camus umgestaltet: weg von eher dunklen Materialien wie Leder, Holz und Samt hin zu hellen, lichten Farben in einer Kombination aus traditionellem und modernem Design. Außerdem hat er die seit 1994 bestehende Verbindung zum chinesischen Markt 2009 mit der Eröffnung der Maison Camus Lounge in Peking befestigt.

Das Haus Camus setzt auf einen sich stetig ausdifferenzierenden Markt und hält neben einem breiten Cognac-Sortiment auch Champagner, Wein und ausgewählte Kaffeesorten im Programm.

Besuchsmöglichkeiten
Seit 2005 bietet Camus verschiedene Besuchsmöglichkeiten an, die von Besichtigungen über Verkostungsproben bis hin zu speziellen Kochkursen reichen. Eine Besonderheit stellt die “Master Blender” Tour dar, bei der der Besucher Schritt für Schritt lernt, einen eigenen Cognac zu kreieren.

Besuchsmöglichkeiten werden das ganze Jahr über angeboten. Ein Kontakt kann über die Homepage von Camus hergestellt werden.

Martell Cognac

Martell ist das älteste der großen Cognac-Häuser. 1715 von Jean Martell gegründet, stieg das Unternehmen schnell zu einem der führenden Cognac-Produzenten auf und konnte seine Brände schon früh in Amerika, Russland und China platzieren. Mit Martell Cognac Extra, Martell VSOP, Martell Cordon Bleu und zuletzt dem Création Grand Extra Cognac schuf dieses Haus gleich reihenweise legendäre Cognacs. Die stetige Verwendung von Eaux-de-Vie aus dem Borderies Anbaugebiet, von denen das älteste auf 1830 datiert, garantiert das charakteristisch weiche, leicht fruchtige Bouquet. Seit 2007 Teil der Pernod-Ricard-Gruppe, verkauft das Haus heute rund 22 Millionen Flaschen jährlich. Besonders begehrt sind die mit 24-Karat-Gold verzierten Luxus-Dekanter.

Geschichte
Als Jean Martell, ein geschäftstüchtiger, ehemaliger Schmuggler und Gründer des Hauses 1753 starb, war Gatebourse, der erste Sitz des Unternehmens, bereits Zentrum eines lukrativen und florierenden Geschäfts. Von nun an bauten seine Witwe Rachel und die beiden Söhne Jean und Frédéric den Erfolg, für den der Vater den Grundstein gelegt hatte, konsequent weiter aus. So exportierte das Unternehmen schon in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts 200.000 Liter Brandwein nach England und auch der amerikanische und russische Markt war bald erschlossen. Überhaupt hat wohl kaum ein Cognac-Haus so früh die enorme Wichtigkeit des Exports erkannt – Mitte des 19. Jahrhunderts wurde neben den bereits genannten Ländern auch nach Australien, China und Japan geliefert.

1807 wurde das Unternehmen als “J & F Martell” registriert. In einem geradezu regelmäßigen Abstand von etwa 50 Jahren wurden von nun an Brände entwickelt, die aus der Geschichte des Cognacs nicht mehr wegzudenken sind: 1819 der Martell Extra Cognac von Theodore Martell, 1874 zum 160 jährigen Bestehen der Martell VSOP, 1912 der Martell Cordon Bleu, der auch heute noch in dem Flaschendesign verkauft wird, das Edouard Martell vor nun 100 Jahren für diesen Weinbrand entworfen hatte. Auf diese Sorte stützt sich auch ein maßgeblicher Teil des Erfolgs des Hausesund so zählt der Cognac Martell Cordon Bleu heute zu den beliebtesten Cognac-Sorten weltweit.

Martell besitzt immer noch sein ursprüngliches Familienanwesen in Cherves Richemont, dessen Erbauung sich bis ins 16. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. In den 1930ern wurde das Gebäude von Maurice Firino-Martell zuliebe seiner aus der Normandie stammenden Frau so umgebaut, wie wir es heute kennen: mit einer Fassade im typischen Stil der Normandie.

Martell Cognac heute
2001 wurde das Haus Teil der Pernod Ricard Gruppe, die im gleichen Jahr schon die Spirituosensparte von Seagram übernommen hatte. Nachdem 2005 erst Allied Domecq in den Konzern eingegliert wurde, erfolgte kurz darauf die Übernahme der Champagner-Marken Mumm und Perrier-Jouet. Daraus wurde schließlich die Untergruppe “Martell Mumm Perrier-Jouet”. Ähnlich wie vergleichbare Unternehmen sucht auch Martell heute den Verbund mit Herstellern anderer Luxusgüter. So trat das Unternehmen 2006 dem Comité Colbert bei, einer Vereinigung französischer Hersteller von Luxusprodukten. Dementsprechend konzentriert sich das Haus mittlerweile auf die Herstellung seiner Premium-Cognacs wie den Martell XO oder den Martell Création Grand Extra 2007. Diese Sorten wurden mit aufwändigen Kampagnen eingeführt und haben das internationale Renommee von Martell entscheidend befördert.

Noch stärker als zuvor verdankt sich der Hauptumsatz dem Export. Nur noch ein kleiner Teil der Produktion findet seinen Absatz in Frankreich. Die Hauptabsatzgebiete sind heute China, Singapur, Malaysia, Taiwan, die USA, England, Russland und Mexiko. Das jährliche Verkaufsvolumen von Martell Cognac liegt bei etwa 15 Millionen Liter, mit steigender Tendenz.

Neuigkeiten, Produkte, Anekdoten
Für seine Martell Cordon Bleu Kampagne wurden die Modefotographen Paolo Roversi und Miles Aldrige engagiert. Wie viele andere Unternehmen fördert auch Martell die aktuelle Kunst- und Designszene. So konnte etwa für den Entwurf der Martell Création Grand Extra Flasche der Bildhauer Serge Mansau gewonnen werden. Daneben wurde jüngst das Buch „L’or dans l’art contemporain“ veröffentlicht, dass die Geschichte der L’or-Flasche von Jean Martell erzählt, indem es die Verbindung zur zeitgenössischen Kunst zieht – u.a. mit Werken von Robert Rauschenberg und Yves Klein.

Besuchsmöglichkeiten
Bei einem Besuch des Anwesens kann man den historischen Produktionprozess von Cognac miterleben: von der Destillation und Cuvierung bis hin zum Abfüllvorgang des fertigen Cognacs. Außerdem kann das malerisch an der Charente gelegene Privathaus von Jean Martell besichtigt werden.

Besuchszeiten sind von Juni bis September: Montags bis freitags, jeweils von 9.30-17 Uhr, sowie samstags und sonntags von 10-16.30 Uhr. Besuchszeiten von Juni bis Mai sind montags bis donnerstags, jeweils 9.30-11 Uhr und 14.30-17 Uhr, sowie freitags von 9.30-11 Uhr (öffentliche Feiertage ausgenommen).

Rémy Martin Cognac

Das traditionsreiche, seit 1724 bestehende Cognac-Haus Rémy Martin ist besonders bekannt für seine hervorragenden Fine Champagne Cognacs. Mit Cognacs wie dem Louis XIII. hat das Haus mit dem schwarzen Zentauren als Logo internationale Anerkennung erfahren und erfreut sich in jüngster Zeit sogar der Beliebtheit amerikanischer Hip-Hop-Größen wie Jay-Z. Nach erbittert geführten Streitigkeiten in der Familie erfolgte 1990 die Fusion mit Cointreau in die Aktiengesellschaft “Rémy Cointreau”. Heute blickt Rémy Martin auf eine bewegte, nunmehr fast 300jährige Geschichte zurück und ist der nach eigenen Angaben zweitgrößte Cognac-Hersteller weltweit.

Geschichte
1724 von dem Charentaiser Winzer Rémy Martin gegründet, war das Haus zunächst fast 200 Jahre in Familienbesitz. Nachdem 1774 die Anbauflächen in der unmittelbaren Umgebung von Cognac erheblich vergrößert wurden, konnte die Familie die Produktion ausweiten und stieg zu einer der ersten Adressen für Branntwein-Herstellung auf. Der herausragende Ruf des Hauses Rémy Martin beruht aber vor allem auf dem Louis XIII., einem Fine Champagne Cognac, der 1874 von Paul Emile Rémy Martin kreiert wurde. Der Namenszusatz “Trés Grande Champagne” zeigt an, was diesen Weinbrand neben aufwändiger Cuvierung und einem über 20jährigen Reifungsprozess wesentlich ausmacht: es ist ein Single-Cru-Cognac, der ausschließlich aus der Grande Champagne stammt, demjenigen Anbaugebiet also, das in der Cognac-Herstellung die höchste Wertschätzung genießt.

In den 1920er Jahren kam die Familientradition des Hauses Rémy Martin aufgrund finanzieller Schwierigkeiten zu einem Ende und das Haus wurde von André Renaud übernommen. Nur mit Hilfe externer Geldgeber konnte das Unternehmen bewahrt werden, wurde aber auch von Grund auf umstrukturiert. Mit seiner Erfahrung in Destillation, Verschnitt und Reifung von Branntweinen entwickelte Renaud außerdem die Produktion von Rémy Martin in eine neue Richtung. So hat der Kellermeister seitdem etwa ein besonderes Augenmerk auf den Anteil der Methusalems, also der besonders alten Brände zu richten.

Als André Renaud 1965 starb, übernahm sein Schwiegersohn André Hériard Dubreuil die Leitung des mittlerweile sanierten Unternehmens. Nach und nach wurde Rémy Martin unter ihm zu einem Global Player, z.B. indem er “Rémy Associés” auf den Weg brachte – ein weltweites Vertriebsnetzwerk sowohl für die eigenen Produkte von Rémy Martin als auch für ausgesuchte Spirituosen anderer Hersteller.

Zur gleichen Zeit brachte ein Zwist unter den Erben das Unternehmen an den Rand der Handlungsfähigkeit. André Renaud hatte das Unternehmen seiner älteren Tochter Anne-Marie zu 51 % und ihrer Schwester Genevieve zu 49 % vermacht. Deren Ehemänner André Hériard Dubreuil und Max Cointreau lieferten sich einen so heftig geführten Streit um die Führung von Rémy Martin, dass dieser zeitweilig fast den Untergang der Traditionsmarke bedeutet hätte, aus dem schließlich aber Rémy Martin und Cointreau gestärkt als Aktiengesellschaft “Rémy-Cointreau” hervorgehen konnten.

Rémy Martin Cognac heute
Aus der Rückschau muss die Fusionierung von Rémy Martin und Cointreau im Jahre 1990 als Glücksfall für beide Unternehmen gewertet werden – beide Marken stehen im internationalen Geschäft besser dar als je zuvor. Nach der Zusammenarbeit mit Vertrieben wie Maxxium, Vin & Sprit and Beam Global Brands hat Rémy-Cointreau 2009 seinen eigenen Vertrieb eröffnet. Daneben besitzt das Unternehmen weitere Spirituosenmarken wie – um nur einige zu nennen – den französischen Orangenlikör Picon, die verschiedenen Rumsorten von Saint James de Martinique und Mount Gay, die schottische Whiskey-Marke Glenturret, das Likörsortiment von Péché Mignon und Passoa, oder auch die Champagner von Krug und Piper-Heidsiek.

Pierette Richet ist die derzeitige Kellermeisterin von Rémy Martin – eine der ganz wenigen Frauen in dieser Position. Die Tatsache, dass sie der gerade mal vierte Kellermeister von Rémy Martin in einem Zeitraum von 100 Jahren ist, zeigt, wie sehr vom Unternehmen Tradition und Kontinuität tatsächlich gelebt werden. Vincent Gere ist der Direktor des Cognac-Hauses. Die von Rémy Martin angebotenen Führungen erreichen mittlerweile Besucherzahlen von 200.000 im Jahr, unter ihnen viele amerikanische Touristen.

Preise
Der Preis für Cognacs des Hauses Rémy Martin unterscheiden sich ganz erheblich: während der Preis für einen Rémy Martin VSOP bei 40 € liegt, kostet der XO Excellence etwa 160 €, der Rémy Martin Louis XIII ist nicht unter 1800 € zu haben. Dagegen kann eine Flasche vom Remy Martin VS schon für 25-30 € erworben werden.

Neuigkeiten, Produkte, Anekdoten
2010 stellt Rémy Martin seinen Rémy Martin V vor. Sein Eau-de-vie reift nicht wie herkömmlich in Eichenfässern, sondern wird mit einer speziellen Eis-Filtrierung gewonnen. Er kommt mit Anklängen von Birne und frischer Minze daher, schmeckt aber mehr noch nach einem Vodka als einem traditionellen Cognac.

Das klassische Cognac-Segment ergänzt Rémy Martin mit Produkten wie dem Pineau des Charentes Aperitif oder dem Rémy Red, ein mit Beere, Pfirsich und Aprikose kombinierter Weinbrand.

Besuchsmöglichkeiten
Rémy Martin bietet Führungen, Verkostungsproben und Meisterklassen mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten an. Ein Besuch beginnt mit einer Zugfahrt um das Anwesen, bei der zunächst die Weinkeller und die Anbaugebiete vorgestellt, schließlich das historische Anwesen und die Brennerei von Rémy Martin besichtigt werden.

Besuchszeiten sind von April bis Oktober, montags bis samstags (öffentliche Feiertage ausgenommen) sowie an den Sonntagen (allerdings nur vom 15. Juni bis zum 15. September) jeweils von 9.45-11.15 Uhr und von 13.30-17.15 Uhr. Vom 1. Juli bis zum 15. September werden zwischen 10 und 17.30 Uhr durchgehend Führungen bei Rémy Martin angeboten. Unter 18jährige zahlen keinen Eintritt.