Suntory plant Übernahme der Beam-Gruppe (Courvoisier inkl.) für $16 Milliarden

Das Jahr geht vielversprechend los mit einer der wenn nicht spektakulärsten, so doch größten Übernahmeaktionen der jüngeren sowohl Cognac– als auch Spirituosen-Geschichte. Oder anders: Courvoisier, immerhin eine eine der vier größten Cognac-Marken überhaupt, goes japanese (obligatorischer Gong-Sound im Hintergrund).

Suntory: Spirituosenriese mit Übernahmehunger

Suntory, der bereits jetzt gigantische Spirituosenriese Japans, hat offensichtlich einen nicht gerade mäßigen Übernahmeappetit, steht auf seiner Speisekarte doch nichts weniger als die US-amerikanische Beam-Gruppe. Kostenpunkt: $16 Milliarden Dollar. Das heißt, dass nicht nur Jim Beam Teil dieser ultimativen Super-Group wird, sondern auch die Cognac-Häuser Courvoisier und Louis Royer.  Die einzige Einschränkung betrifft die finale Zustimmung von den zuständigen Kartellbehörden und den Beam Aktionären.

Das aber, was hier voraussichtlich zusammen kommen wird, lässt sowohl den geneigten Spirituosen- wie Aktienkenner Sterne trunkener Glückseligkeit sehen: Beam’s Jim Beam Whisky und Maker’s Mark Bourbons, Courvoisier und Louis Royer Cognac, Sauza Tequila, nicht zuletzt die Japanischen Whiskies Suntory’s Yamazaki, Hakushu, Hibiki und Kakubin, außerdem Bowmore Scotch Whisky und Midori Liköre. Yummy! Pro Aktie bezahlt Suntory den Anlegern $83.50 Dollar, abgeschlossen werden soll der Deal im zweiten Quartal 2014.

Gegründet wurde Suntory 1899 und ist vor allem bekannt für den ersten originär Japanischen Whisky (makes Japan drunk since 1923).

Suntory Beam Courvoisier

Bekannter ist Suntory aber – sowohl dem informierten Kinopublikum als auch den meisten amerikanischen Konsumenten, außerdem, um die Kunst des klassischen Syllogismus zu verfeinern, amerikanischen Kinokonsumenten (womöglich sogar Kinomokonsumenten) – durch einen Werbespot, der mit Bob Harris, dem von Bill Murray verkörperten Charakter aus „Lost in Translation“ wirbt: “For relaxing times, make it Suntory time.”

Übernahme der Beam-Gruppe: Courvoisier & Louis Royer unter einem Dach?

Nach dieser monströs-syntaktischen Konstruktion, die entscheidende Frage ganz simpel formuliert: was passiert mit Louis Royer? Werden Courvoisier und Louis Royer als zwei ja schlussendlich miteinander konkurrierende Cognac-Marken unter einem Dach geduldet werden, wird Louis Royer aus der Gruppe ausgegliedert, …?

Was auch immer geschehen möge, das Jahr 2014 hat spannend begonnen – und wird spannend weitergehen.

Was ist eigentlich… Pineau?

Der Pineau des Charentes oder schlicht Pineau ist ein französischer Aperitif, gerne auch zum Dessert, ergo Digestif, der hierzulande noch einigermaßen unbekannt, in der kulinarischen Landschaft der Charente hingegen eine Rolle spielt, die, würde man sie wegstreichen, die Bühne vielleicht nicht völlig, mindestens aber fast fast fast leer wäre. Auf dem Weg zum ultimativen Cognac Kenner ist eine zumindest flüchtige Bekanntschaft mit genau diesem Pineau obligatorisch, unverzichtbar, darüber hinaus: yummy.

Brief introduction: Pineau des Charentes ist ein Likörwein, bestehend aus leicht vergorenem Traubenmost und Eau-de-vie, bekanntlich das Innerst-Essentiellste der Cognac Herstellung. Genauso wie Cognac unterliegt der Pineau AOC  (Appellation d’Origine Contrôlée) Kriterien, wobei das zugelassene geografische Gebiet praktisch identisch mit dem der Cognac Herstellung ist.  Pineau wird gekühlt serviert, bei 8-10 °C, und zwar stilgerecht in einem tulpenförmigen Glas.

Daniel Bouju Pineau

In den verschiedenen Regionen Frankreichs gibt es vergleichbare Kombinationen aus (vergorenem oder unvergorenem) Most und einem entsprechenden höherprozentigen Pendant: Troussepinette in der Region Vendée, der Armagnac-basierte Floc de Gascogne, oder der Pommeau in der Normandie, der sich aus Apfelmost und einem Calvados-Apfelschnaps zusammensetzt.

Pineau und Cognac: die gleichen Fässer

Entstanden ist diese Kombination aus ungefährlichem Most und gefährlich Hochprozentigem laut Legende (kommt immer gut) durch schlichten Zufall (noch besser): Während der Ernte 1589 verpasste ein Winzer einem leer geglaubten Eichenfass eine Packung Traubenmost. Als das Fass einige Jahre später geöffnet wurde, befand sich darin – einem Rest Eau-de-Vie, das sich dort hinein versteckt, sei Dank – das, was heute als Pineau des Charentes bekannt ist. Von da an wurde dieses deliziöse Etwas nicht nur von den Gutsfamilien der Region in Ehren gehalten. Zu in engerem Sinne kommerziellen Zwecken / (Schrägstrich) in größeren Mengen wird der Pineau erst seit den 1930er Jahren hergestellt.

Roter & weißer Pineau

Zu unterscheiden ist zwischen weißem und dem in der Charente noch beliebteren roten Pineau. Für den weißen werden  größtenteils die Trauben verwendet, die auch für die Cognac Herstellung bestimmend sind: Ugni Blanc, Folle Blanche und Colombard, darüber hinaus noch Sémillon, Sauvignon Blanc und Montils. Für den roten kommen Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon und Merlot Trauben zum Einsatz. Der Alkoholgehalt beträgt jeweils 16-20%. Rot und weiß zeigen hier freilich nur grob die Richtung an: die Palette der Pineau Farben reicht von einem blass-hellen Gelb bis zu einem kräftigen Ockerton, von einem matten Rosé bis zu einem erdig-kupfernen Tiefrot.

Ganz gleich aber, ob rot oder weiß oder alles, was dazwischen liegt: need to, have to. Probieren.

Die drei Trauben der Cognac Herstellung: Ugni Blanc, Folle Blanche & Colombard

Und ein weiterer Artikel, der ein wenig Licht ins mystische Dunkel der Cognac Herstellung bringen soll, kann und schließlich wird (was hiermit versprochen: versprochen). Wir schreiten somit systematisch voran von den Böden der Cognac Region hin zu dem, was auf ihnen wächst, gedeiht und reift, um schließlich die eigentliche Grundlage der Cognac Herstellung darzustellen: die Trauben. Aus den verschiedenen Sorten – drei sind hier besonders hervorzuheben – wird ein heller, besonders säurehaltiger Wein gewonnen, der eine hevorragende Grundlage zur Destillation abgibt. Bekanntlich steckt der Teufel aber ja im Detail..

Ugni Blanc

Besagte Traube ist besser bekannt unter ihren italienischen Namen: „Trebbiano“. Ursprünglich aus der Toskana stammend garantiert die Traube hohe Erträge: der Winzer erhält aus einem Hektar etwa 100-200 Hektoliter Wein.

Ugni Blanc

Dass die Traube sich für verschiedenste Regionen zum Anbau eignet, schlägt sich auch im babylonischen Sprachgewirr der Vielzahl ihrer Namen nieder. In der Cognac Region heißt sie “Saint Emilion“, daneben reichen die Namen von „Muscadet“ in der Gironde, „Clairette ronde“ in der Provence, „Rossola“ in Korsika, „Albanella“ (und eben „Trebbiano“) im italienischen Raum, über „Douradinh“ in Portugal, „Juni blan“ in Kroatien, bis zu – und noch mal Atem holen – „White Hermitage“ in Australien.

In Frankreich stellt die Traube mittlerweile eine der beliebtesten und am meisten angebauten Sorten überhaupt dar und ist anzutreffen etwa in Midi, Charentes, Gers, Lot-et-Garonne, Landes, Entre-deux-mers, Bouches-du-Rhônes, Loire, Longuedoc, Provence und Korsika.

Insgesamt sind in Frankreich etwa 100.000 Hektar mit dieser Traube bestückt, wobei der Anteil der Anbauflächen, auf denen die Traube noch klassisch zur Weinherstellung verwandt und zu einem Vins de Pays, einem trockenen Weißwein verarbeitet wird, kontinuierlich zurückgehen.

Folle Blanche

Die Weine der Folle Blanche Traube sind durchaus vergleichbar, insbesondere hinsichtlich ihres Säuregehalts, in ihrem Bouquet allerdings leichter, frischer, fruchtiger. In Zahlen: mit einem durchschnittlichen Zuckergehalt von 17% kann beim Reifungsprozess nur ein vergleichsweise geringer Alkoholgehalt von 8.5 % erzielt werden.

Folle Blanche

Die Traube wird in einem Gebiet angebaut, dass auf der einen Seite von der französischen Atlantikküste, auf der anderen Seite von Toulouse, Cahors und Orleans begrenzt wird. In der Loire und Vendée heißt sie „Gros Plant“, in Gers „Piquepoul“

Colombard

Colombard schließlich ist eine klassische, aus der Cognac Region selbst, genauer gesagt aus der Charente stammende Sorte. Sofern nicht zur Destillation genutzt, wird auch dieser Wein außerordentlich säurehaltig, weist allerdings einen signifikant höheren Alkoholgehalt als die Weine der Ugni Blanc, bzw. Folle Blanche Trauben auf.

Die Traube ist insbesondere im Westen Frankreichs anzutreffen, ebenso aber in tendenziell trockeneren Regionen. Seit den 1990ern geht der Anbau dieser Sorte mehr und mehr zurück, wird aber weiterhin betrieben in Gironde, Landes, Lot-et-Garonne, Loire-Atlantique und freilich der Charente.

Colombard

Auch hier haben sich mit der Zeit eine ganze Reihe von Namen eingebürgert: „Colombier“, „Colombié“, „Queue tendre“, „Chabrier vert“, „Donne verte“, „Gros blanc roux“, „Blanc Emery“, „Bon Blanc“, „Pied tendre“, „Guenille“, „Blanquette“.

So viel zu den drei großen Traubensorten für unser aller beloved Cognac-Herstellung. Denn sind in der Charente freilich auch etliche andere Sorten anzutreffen, die genau hierfür Anwendung finden – „Le Jurancon“, „Blanc-Rame“, „Balzac Blanc“, „Chalosse“, „Saint-Pierre“, „Bouilleaud“, „Saint-Rabier“, „Balzac Noir“, „Petit Noir“ -, sind es doch vor allem jene drei, die in diesem Zusammenhang charakteristisch und dementsprechend vertiefenswert sind.

Die sechs Crus der Cognac Region: Anbaugebiete

Um die Cognac Herstellung aus und nicht zuletzt mit vollem Herzen verstehen, genießen, sich einverleiben zu können, ist es hilfreich bis notwendig bis unumgänglich sich zu vergegenwärtigen, wo dieser Ambrosia der Neuzeit (Freude schöner Götterhumpen) eigentlich herkommt. Aus der Cognac Region. Freilich. Nur lässt sich diese – ebenso freilich – keineswegs vereinheitlichen, teilt sich vielmehr auf in sechs verschiedene Anbaugebiete, die sog. Crus. Diese erstrecken sich über die Charente-Maritime, einen großen Teil der Charente sowie einen etwas kleineren der Deux-Sèvres und der Dordogne.

Nach den Statuten der Appellation d’Origine Controlée Cognac (kurz AOC Cognac) sind diese Anbaugebiete genau definiert und umfassen insgesamt etwa 79 000 Hektar Weingut. Nach der ebenfalls mit dem AOC Siegel versehenen Bordeaux Region ist es damit das größte Weinbaugebiet Frankreichs.

Die sechs Crus der Cognac Region

Jene Anbaugebiete, die Crus unterscheiden sich in ihrer Bodenbeschaffenheit teils erheblich, und so sind sie es, die als allererstes Rang und Qualität begründen, den ein Cognac schließlich imstande sein wird einzunehmen. In absteigender Qualität resp. Wertschätzung sind hier zu nennen: Grande Champagne, Petite Champagne, Borderies, Fins Bois, Bons Bois (an der Grenze von Bons Bois zu Fin Bois befindet sich im übrigen das Heimatlager von Cognac Expert) und Bois Ordinaires.

Grande und Petite Champagne sind wohlgemerkt nicht mit der berühmten Region gleichen Namens im Norden Frankreichs zu verwechseln, aus der der mindestens ebenso berühmte, edel-kribbelnde Alkohol – und wieder – gleichen Namens stammt. Champagne geht etymologisch vielmehr auf die lateinischen Ausdrücke „campania“ und „campus“ zurück und kann in solchem Zusammenhang am ehesten mit „freiem (im Sinne von zu kultivierendem) Land“ übersetzt werden.

Abseits von solch etwaigen Missverständnissen vorbeugenden Worterklärungen stehen die Crus Grande und Fine Champagne vor allem aber für die höchste zu erreichende Qualität in Sachen Cognac Herstellung. Ein Cognac, der zumindest 50 % aus Trauben der Grande Champagne hergestellt ist, ist ein Fine Champagne Cognac.

Sind die verschiedenen Crus jeweils auch mit einem Komplex geschmacklicher Noten assoziiert – seien es Anklänge an Gewürze, Tabak oder grüne Früchte -, kommen in einem Cognac immer die Erträge verschiedener Crus zum Einsatz. Und so steht die Cognac Produktion (überhöht, muss nicht stimmen) auch für eine Ethik des Ausgleichs – vom Höchsten und Geringsten, Kleinsten und Edelsten. Kann es doch auch mal eine Fin Bois Traube sein, die dem einen oder anderen Edel-und-zwar-over-the-top-Cognac den letzten Schliff zu geben vermag (kollektives Ohhh und …. Fin).

Bisquit Cognac

Gegründet im Jahre 1819 von Alexandre Bisquit, kann das Haus auf eine Familientradition zurückblicken, die erst mit seinem Verkauf an Pernod Ricard 1966 zu einem Ende kommt. Erwähnt werden muss, dass sich Bisquit einige der Lieblingscognacs von Winston Churchill und König Georg VI. verdanken, darüber hinaus, dass die hier produzierten Brände sich im angelsächsischen Raum insgesamt einer hohen Popularität erfreuen.

Geschichte

Gegründet 1819, war die Familie des Namenspatrons Alexandre Bisquit bereits über Generationen – mindestens seit 1750 –  im Cognac-Geschäft tätig, ohne allerdings je den Schritt gewagt zu haben, sich mit einem eigenen Unternehmen selbstständig zu machen. Als dieser Schritt allerdings einmal getan war, wuchs das Haus mit seinem 205 Hektar umfassenden Weingut schnell zu den Größen des Geschäfts heran. Auch seine prominente Stellung im angelsächsischen Raum wurde früh hergestellt: 1862 erhält das Haus eine Ehrenauszeichnung im Rahmen der Londoner Weltausstellung, 1951 gehört Bisquit zu den Königlichen Hoflieferanten König Georg VI.

Bisquit Cognac heute

2009 wurde das Haus von der südafrikanischen Distell Group von Pernod Ricard übernommen. Zwar hat mittlerweile hier auch die Geschäftsführung ihren Sitz, das im 19. Jahrhundert erbaute Château Bisquit im Herzen Cognacs wird aber weiterhin gehalten und wurde vor nicht allzu geraumer Zeit nach allen Regeln der Kunst aufwendig renoviert.

Neuigkeiten, Produkte, Anekdoten

2012 wird der Prestige Cognac von Bisquit beim Londonder IWSC Wettbewerb mit Gold prämiert. Im gleichen Jahr erhalten eben hier auch der VS, VSOP und XO Cognac Auszeichnungen. Damit ist Bisquit Cognac das erste Haus, das bei diesem Wettbewerb in sämtlichen Kategorien prämiert wird.

Besuchsmöglichkeiten

Leider scheinen Besuchsmöglichkeiten bei diesem Haus nicht möglich zu sein.