Ebenso wie die Weinverkostung verläuft auch die Degustation eines Cognacs über die drei Sinnesorgane Auge, Nase, Zunge. Nähern wir uns dem großen französischen Weinbrand also sukzessive.

Zuallererst: Jeder Cognac muss atmen. Hier rechnet man pro Reifungsjahr ca. 30 Sekunden. Ein 20 Jahre alter XO Cognac sollte also etwa 10 Minuten atmen. Erst dann folgt die eigentliche Verkostung.

Ultimate Spirits Challenge 2011

Zunächst über das Auge: Beim Schwenken des Glases bilden sich Schlieren im Alkohol, die, sind sie weich und elastisch, ein komplexes Geschmacksbild vermuten lassen. Gleichwohl ist der visuelle Eindruck noch wenig aussagekräftig, schließlich kann etwa eine dunkle Färbung ebenso auf einen alten Cognac hindeuten oder durch die Beigabe von Karamell entstanden sein.

Es folgt die Nase: Das Glas auf Kinnhöhe bewegend wird über die Nase hin zum Rachen eingeatmet – erst wenn sich die Aromastoffe im Rachenraum erwärmen, erreichen sie in ihrer eigentlichen Vielfalt auch die Geschmacksrezeptoren der Nase. Hier gilt es, sich zunächst auf Fruchtnoten und Anklänge ans florale zu konzentrieren: Ein florales, hell-fruchtiges, leicht süßliche Bouquet lässt einen eher jungen Cognac vermuten, wohingegen “marmeladige”, an dunkle Beeren erinnernde Fruchtnoten auf einen alten Cognac schließen lassen. Drängen sich schnell nussige Aromen in den Vordergrund, liegt ein vom Rancio dominierter Weinbrand nahe.

Zuletzt die Zunge: Um überhaupt die Komplexität des Geschmacksbildes wahrnehmen zu können, wird ein Cognac nur genippt, nicht getrunken. Im günstigsten Falle lässt man den Brand für eine Weile im Mund “rollen”: der Brand wird langsam über die Zunge bewegt und durch Unterstützung der Wangen mit Sauerstoff angereichert. Erst so kann angemessen beurteilt werden, in welchem Verhältnis die verschiedenen geschmacklichen Nuancen zueinander stehen und wie lange das Geschmackserlebnis vorhält (der „Nachhall“ oder „Abgang“). Stärker noch als Wein entfaltet sich Cognac erst nach und nach.

Ein Tipp am Rande, bevor wir auf die für Cognac typischen Aromen zu sprechen kommen: Einige Hersteller fügen ihrem Brand Karamell hinzu, um ihn älter erscheinen zu lassen als er eigentlich ist. Im Geschmackserlebnis wird dies kenntlich, wenn sich auf der Zungenspitze früh eine süßliche Vanillenote einstellt, die rasch wieder verschwindet und gleichsam außerhalb des Geschmacksbildes zu stehen scheint.

Degustation eines Hine Cognacs

Schematisch formuliert lassen sich folgende Tendenzen ausmachen:

In einem jungen Cognac (älter als VSOP oder mindestens acht Jahre gereift) werden vor allem Fruchtnoten angetroffen, insbesondere Aprikose oder Pfirsich, Apfel, Citrus und Rosinen.

Mittelalte Cognacs (älter als 14 Jahre) präsentieren sich zumeist  – sowohl für Nase wie Zunge – mit Spuren floraler Aromen, also Rose, Veilchen, Geranien oder auch Honig. Bei Borderies-Bränden kommen in der Regel Lavendel-Noten zur Geltung.

Cognacs von mindestens 20 Jahren sind vor allem mit Gewürznoten verbunden, also Muskatnuss, Zimt, Ingwer, Anis oder Nelken.

Freilich sind dies nur allgemeine Tendenzen, die allenfalls eine erste Einordnung darstellen können. Schließlich gilt es bei jeder Degustation aufs neue, sich möglichst unbefangen auf das konkrete Geschmackserlebnis einzulassen, zugleich die gewonnenen Eindrücke mit dem bereits vorhandenen Vorwissen abzugleichen.

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