Es ist ein so bemerkenswerter wie eindrucksvoller Zug des seit einigen Jahren herrschenden Cognac-Booms, dass trotz globalen wirtschaftlichen Abschwungs weiterhin Gewinne im Handel mit diesem großen französischen Weinbrand verzeichnet werden.

Erfreulich daran ist, dass dies nicht nur für die großen Cognac-Häuser wie Rémy Martin oder Martell, sondern ebenso für die kleinen, zumeist familiär geführten Unternehmen gilt. So berichtet etwa das Syndicat des Vignerons du Var, ein Zusammenschluss ca. 40 unabhängiger Weinbauern und Cognac-Produzenten von stetig wachsenden Umsatzzahlen.

Domaine de la Tour Vert

Und als sei dies an guten Nachrichten nicht schon genug – geradezu gegenläufig zur viel beschworenen Krise kann sich der aus der Gascogne stammende Bruder des Cognacs wieder mehr und mehr etablieren: der Armagnac steht so hervorragend dar wie schon lange nicht mehr. Insbesondere vom chinesischen Markt – zum ersten Mal wichtigstes Exportgebiet – wird dieser Branntwein begeistert aufgenommen. Dies liegt insofern nahe, als die chinesischen Käufer am Cognac vor allem die Ehrwürdigkeit der Tradition und den Reichtum des handwerklichen Könnens, d.h. alte, hochklassige Brände schätzen. Um dies weiterhin bedient zu wissen, weitet ein wachsender Teil der chinesischen Käuferschichten sein Interesse auf den Armagnac aus.

Darüber hinaus muss aber auch ein gewisser Nachholeffekt konstatiert werden: Beide Weinbrände könnten gleichermaßen als Luxusprodukt goutiert werden. Dass Armagnac lange Zeit ein Schattendasein neben Cognac fristen musste, lag dabei keineswegs an einer mangelnden Qualität der Spirituose selbst, eher schon an der des Marketing, einem Image, dass sich nur langsam von der Verramschung in den ersten Nachkriegsjahren erholt konnte, nicht zuletzt an der Tatsache, dass es die ganz großen Namen hier (noch) nicht gibt.

Bei dieser Ausgangslage ist ein Umsatzplus von insgesamt 7,6 % für den Zeitraum von Juni 2011-2012 alles andere als selbstverständlich. Und auch wenn ebenso wie im Cognac-Geschäft die Umsatzzahlen für den kontinental-europäischen Raum von Euro- und Schuldenkrise beeinflußt sind, liegt die Wachstumsrate in den USA bei 13 %, in England bei 14 %, in Japan gar bei 57 %. Krisennachrichten hören sich anders an.

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