Neben den ziemlich offensichtlichen Gemeinsamkeiten von Jay-Z und Chris ‚Ludacris‘ Bridges – beide umtriebig, beide geschäftstüchtig, beide mit Bentley (etc. pp.), beides Hip Hop Größen (fast vergessen) – besteht hier mindestens ein nicht ganz so offensichtlicher Unterschied. Nicht irgendeine (in diesem Fall ohnehin eher konstruierte) East Coast – West Coast Zugehörigkeit (das wäre zu offensichtlich, außerdem schreiben wir das Jahr 2012 und nicht das Jahr 1996), sondern die Cognac-Marken, die jeweils getrunken aka protegiert aka beworben werden: Jay- Z und D’Usse hier, Ludacris und Conjure dort. Genau dieser Nebenschauplatz soll zum Austragungsort eines Kampfes werden, wie ihn die Welt noch nicht erlebt hat. Pardon. Noch nicht nicht erlebt hat.

Runde I: der Ersteindruck
Während es sich bei dem D’Usse um einen VSOP Cognac handelt, legt Conjure keinen besonderen Wert darauf, deutlich zu machen, dass es sich „nur“ um VS-Qualität handelt. Andererseits unterstreicht D’Usse mit dem Dekanter so ostentativ das Image des Hochklassigen, dass dieser mehr über Jay-Z als den Cognac auszusagen scheint. Im Ersteindruck geht die „edel, aber (halbwegs) subtil “-Medaille an den Conjure-Weinbrand.

Runde II: der Name
„Conjure“: das geht flüssig über die Lippen, runter wie Öl. Dagegen „D’Usse“: Nicht ohne Grund wird jedes Mal, wenn der Name in der Presse Erwähnung findet, direkt mit erklärt, wie er denn richtig auszusprechen sei. Ganz gleich aber, ob Zufall (wovon schwerlich auszugehen ist) oder eine überaus clevere Marketingidee von Bacardi (schon eher) – der geneigte Cognac-Novize, -Kenner, -Profi muss den Namen ein paar Mal hin und her wenden, bis der Entscheid getroffen ist, wie die richtige Aussprache denn nun lauten muss. Diese Runde geht jedenfalls an D’Usse. Wegen Einprägsamkeit durch Verwirrung.

Runde III: Self-Promotion
Die Runde II versucht Ludacris umgehend wieder wettzumachen. Indem er „Conjure“ in jedem seiner Songs erwähnt, in jedem seiner Videos und gern auch manchem seiner Filme trinkt. Das stimmt natürlich nicht ganz. Nur ungefähr. Aber es hebt sich deutlich von der Art ab, wie Jay-Z mit dem D’Usse Brand umgeht. Hier ist es eher die Selbstverständlichkeit des Mannes von Welt, der ab und zu in einem Nebensatz erwähnt, dass er zu seiner Zigarre gern einen D’Usse Cognac genießt. Bildlich gesprochen: Jay-Z nippt. Ganz dezent. Ludacris schlürft. Unüberhörbar.

Cheers! Ludacris und Conjure in „No Strings Attached“

Runde IV: die Marken
Conjure trägt nicht unwesentlich zur Erfolgsstory von Birkedal Hartmann bei – einem Haus, gegründet im Jahre 1887, dessen Erfolg sich maßgeblich darauf gründet, nicht selbst Cognac zu produzieren (dies geschieht vielmehr in Kollaborationen), sondern sich ganz auf Vertrieb und Marketing konzentriert. In dieser Hinsicht gehört Birkedal Hartmann derzeit zu den zweifelsohne innovativsten Unternehmen im Cognac-Geschäft.
D’Usse auf der anderen Seite ist Teil der Bacardi-Gruppe und Baron Otard untergeordnet – einem Haus, gegründet 1795, dessen Geschichte sich (für Werbezwecke nie verkehrt) bis in die Wikingerzeit des 9. Jahrhunderts zurückverfolgen lässt.

Finish him!
Dem aufmerksamen Leser wird es kaum entgangen sein, dass wir uns für Runde III & IV dem Sieg-/Niederlage-Schema entzogen haben. Ganz einfach, weil spätestens hier Geschmack und die persönlichen Vorlieben entscheidend sind. Und darum gehts ja eigentlich beim Cognac. Battle hin oder her.

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