Beginnen wir das Happy New Year mit einem Thema von so herausragender Wichtigkeit, dass es nicht allein verwunderlich ist, dass Diderot ihm nicht mehr als bloß keinen Artikel gewidmet hat, sondern das schon good ol‘ Platon für würdig befand, es in seinem Symposion behandelt zu sehen – wenn auch nur in einem apokryphen Zusatz, der einzig durch einen zwar knappen, dabei aber außerordentlich scharfsinnigen Kommentar Marsilio Ficinos, seinerseits vermerkt als Fußnote in einem Supplementband der Encyclopædia Britannica von 1924, Eingang in die Geistesgeschichte gefunden hat: saufende Promis, die ihren eigenen Alkoholismus bewerben (sic).

Wo nun früher ein Weinberg im Süden von Neapel besungen wurde, kann die heutige Prominenz auf Marken zurückgreifen, hinter der sie besagten Alkoholismus versteckt. Es besteht also durchaus ein genealogischer Zusammenhang zwischen manch thrakischem Dichter und der heutigen A-, B-, C-Prominenz, die jene altehrwürdige Tradition aufrechterhält. Gleichwohl ist es ein undurchsichtiges, ja, ein schwieriges Thema. Findet es doch mittlerweile – und da kann man noch so oft die Altvorderen herbeizitieren – nicht mehr die Beachtung, die es eigentlich verdienen würde. Außer von den Prominenten selbst, der Werbeindustrie, den Spirituosenherstellern, den Gossipjournalisten, den Lesern von Gossipjournalismus, manchem Partygänger, und vielleicht noch vom obskur-ominösen, so called „Konsumenten“.

Ein Thema jedenfalls, so unterrepräsentiert heutzutage, dass mir vor lauter Scham der Mund ganz trocken wird und ich mich genötigt seh, mit ein wenig Cîroc Vodka zu gurgeln, um guten Gewissens weiter schreiben zu können. Womit wir beim Thema wären.

Sean Combs aka Sean John, Diddy, P. Diddy, Puff Daddy, Puffy, für eine Woche Swag, und früher Bad Boy. Ein Mann mit vielen Gesichtern und noch mehr Namen. Ein kluger Mann, ein Mann mit Geld. Um ersteres unter Beweis zu stellen und zweiteres zu vermehren, wurde eine Liaison mit Cîroc eingegangen. Dass dieser britische Hersteller für in Frankreich produzierten Wodka einen US-Amerikaner zu seinem Ambassador ernannt hat, spricht für die völkerverständigende Wirkung, die Alkohol haben kann.

Donald Trump ist zuallererst ein, nun ja, reicher Mann. Aber auch ein Mann mit Stil und Sinn für subtiles Understatement. Die dezente Flasche des Trump Vodkas lässt schon auf ihren Inhalt schließen, den – kein Witz – „world’s finest super premium vodka“.

Lil Kim ist eine Frau. Und trinkt gerne Three Olives Vodka. Vom wohl einzigen Hersteller, der neben Vodka mit Kuchen- auch eine Sorte mit Froot-Loops-Geschmack anbietet (yup, die Cerealien). Damit nicht nur Mommy und Daddy, sondern auch die Kleinsten gut in den Tag kommen.

Dan Aykroyd ist wieder ein Mann. Mit einem Hang zum Extravaganten. Wie etwa Kristallschädeln mit ihrer Aura von New Age, Science Fiction und Maya-Kult. Und um aus diesen Kristallschädeln sich allabendlich die Kraft des dritten Auges abholen zu können, ohne allerdings zuvor in den Anden buddeln zu müssen, hat Herr Aykroyd aus der Not eine Tugend gemacht und wirbt für Cristall Head Vodka. Den Vodka mit dem Dekanter für das Blut von Menschenopfern. Oder halt Vodka.

Bei diesem Quartett prominenter Vodka-Trinker belass ich es fürs erste. Weniger weil meine Hand langsam zittrig wird und das Mittagessen mit einem köstlichen Rösti-Vodka auf mich wartet, sondern weil mehr und mehr deutlich wird, dass wir hier nur die Spitze des Eiswürfels sehen, unter der sich auch Whiskey, Tequila oder womöglich sogar Cognac verbergen könnte. Denn all das ist ja nur ein bescheidener Anfang und nicht mit dem zu vergleichen, was wir gewinnen könnten, wenn das Thema zum Gegenstand zahlreicher Promotionen erhoben und ein eigener Lehrstuhl an irgendeiner Universität da draußen eingerichtet würde. Vielleicht werde ich also beizeiten nachlegen. Spätestens, wenn ich dem Ruf auf besagten Lehrstuhl folge. Versprochen.

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