Rémy Martin Cognac

Das traditionsreiche, seit 1724 bestehende Cognac-Haus Rémy Martin ist besonders bekannt für seine hervorragenden Fine Champagne Cognacs. Mit Cognacs wie dem Louis XIII. hat das Haus mit dem schwarzen Zentauren als Logo internationale Anerkennung erfahren und erfreut sich in jüngster Zeit sogar der Beliebtheit amerikanischer Hip-Hop-Größen wie Jay-Z. Nach erbittert geführten Streitigkeiten in der Familie erfolgte 1990 die Fusion mit Cointreau in die Aktiengesellschaft “Rémy Cointreau”. Heute blickt Rémy Martin auf eine bewegte, nunmehr fast 300jährige Geschichte zurück und ist der nach eigenen Angaben zweitgrößte Cognac-Hersteller weltweit.

Geschichte
1724 von dem Charentaiser Winzer Rémy Martin gegründet, war das Haus zunächst fast 200 Jahre in Familienbesitz. Nachdem 1774 die Anbauflächen in der unmittelbaren Umgebung von Cognac erheblich vergrößert wurden, konnte die Familie die Produktion ausweiten und stieg zu einer der ersten Adressen für Branntwein-Herstellung auf. Der herausragende Ruf des Hauses Rémy Martin beruht aber vor allem auf dem Louis XIII., einem Fine Champagne Cognac, der 1874 von Paul Emile Rémy Martin kreiert wurde. Der Namenszusatz “Trés Grande Champagne” zeigt an, was diesen Weinbrand neben aufwändiger Cuvierung und einem über 20jährigen Reifungsprozess wesentlich ausmacht: es ist ein Single-Cru-Cognac, der ausschließlich aus der Grande Champagne stammt, demjenigen Anbaugebiet also, das in der Cognac-Herstellung die höchste Wertschätzung genießt.

In den 1920er Jahren kam die Familientradition des Hauses Rémy Martin aufgrund finanzieller Schwierigkeiten zu einem Ende und das Haus wurde von André Renaud übernommen. Nur mit Hilfe externer Geldgeber konnte das Unternehmen bewahrt werden, wurde aber auch von Grund auf umstrukturiert. Mit seiner Erfahrung in Destillation, Verschnitt und Reifung von Branntweinen entwickelte Renaud außerdem die Produktion von Rémy Martin in eine neue Richtung. So hat der Kellermeister seitdem etwa ein besonderes Augenmerk auf den Anteil der Methusalems, also der besonders alten Brände zu richten.

Als André Renaud 1965 starb, übernahm sein Schwiegersohn André Hériard Dubreuil die Leitung des mittlerweile sanierten Unternehmens. Nach und nach wurde Rémy Martin unter ihm zu einem Global Player, z.B. indem er “Rémy Associés” auf den Weg brachte – ein weltweites Vertriebsnetzwerk sowohl für die eigenen Produkte von Rémy Martin als auch für ausgesuchte Spirituosen anderer Hersteller.

Zur gleichen Zeit brachte ein Zwist unter den Erben das Unternehmen an den Rand der Handlungsfähigkeit. André Renaud hatte das Unternehmen seiner älteren Tochter Anne-Marie zu 51 % und ihrer Schwester Genevieve zu 49 % vermacht. Deren Ehemänner André Hériard Dubreuil und Max Cointreau lieferten sich einen so heftig geführten Streit um die Führung von Rémy Martin, dass dieser zeitweilig fast den Untergang der Traditionsmarke bedeutet hätte, aus dem schließlich aber Rémy Martin und Cointreau gestärkt als Aktiengesellschaft “Rémy-Cointreau” hervorgehen konnten.

Rémy Martin Cognac heute
Aus der Rückschau muss die Fusionierung von Rémy Martin und Cointreau im Jahre 1990 als Glücksfall für beide Unternehmen gewertet werden – beide Marken stehen im internationalen Geschäft besser dar als je zuvor. Nach der Zusammenarbeit mit Vertrieben wie Maxxium, Vin & Sprit and Beam Global Brands hat Rémy-Cointreau 2009 seinen eigenen Vertrieb eröffnet. Daneben besitzt das Unternehmen weitere Spirituosenmarken wie – um nur einige zu nennen – den französischen Orangenlikör Picon, die verschiedenen Rumsorten von Saint James de Martinique und Mount Gay, die schottische Whiskey-Marke Glenturret, das Likörsortiment von Péché Mignon und Passoa, oder auch die Champagner von Krug und Piper-Heidsiek.

Pierette Richet ist die derzeitige Kellermeisterin von Rémy Martin – eine der ganz wenigen Frauen in dieser Position. Die Tatsache, dass sie der gerade mal vierte Kellermeister von Rémy Martin in einem Zeitraum von 100 Jahren ist, zeigt, wie sehr vom Unternehmen Tradition und Kontinuität tatsächlich gelebt werden. Vincent Gere ist der Direktor des Cognac-Hauses. Die von Rémy Martin angebotenen Führungen erreichen mittlerweile Besucherzahlen von 200.000 im Jahr, unter ihnen viele amerikanische Touristen.

Preise
Der Preis für Cognacs des Hauses Rémy Martin unterscheiden sich ganz erheblich: während der Preis für einen Rémy Martin VSOP bei 40 € liegt, kostet der XO Excellence etwa 160 €, der Rémy Martin Louis XIII ist nicht unter 1800 € zu haben. Dagegen kann eine Flasche vom Remy Martin VS schon für 25-30 € erworben werden.

Neuigkeiten, Produkte, Anekdoten
2010 stellt Rémy Martin seinen Rémy Martin V vor. Sein Eau-de-vie reift nicht wie herkömmlich in Eichenfässern, sondern wird mit einer speziellen Eis-Filtrierung gewonnen. Er kommt mit Anklängen von Birne und frischer Minze daher, schmeckt aber mehr noch nach einem Vodka als einem traditionellen Cognac.

Das klassische Cognac-Segment ergänzt Rémy Martin mit Produkten wie dem Pineau des Charentes Aperitif oder dem Rémy Red, ein mit Beere, Pfirsich und Aprikose kombinierter Weinbrand.

Besuchsmöglichkeiten
Rémy Martin bietet Führungen, Verkostungsproben und Meisterklassen mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten an. Ein Besuch beginnt mit einer Zugfahrt um das Anwesen, bei der zunächst die Weinkeller und die Anbaugebiete vorgestellt, schließlich das historische Anwesen und die Brennerei von Rémy Martin besichtigt werden.

Besuchszeiten sind von April bis Oktober, montags bis samstags (öffentliche Feiertage ausgenommen) sowie an den Sonntagen (allerdings nur vom 15. Juni bis zum 15. September) jeweils von 9.45-11.15 Uhr und von 13.30-17.15 Uhr. Vom 1. Juli bis zum 15. September werden zwischen 10 und 17.30 Uhr durchgehend Führungen bei Rémy Martin angeboten. Unter 18jährige zahlen keinen Eintritt.

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