In der Geschichte des Hauses Vallein Tercinier und dessen Familie wird das Handwerk der Cognac-Herstellung bereits seit fünf Generationen weitergegeben.

Vom Gründer Louis Vallein über Georges, Paul und Robert bis hin zu Catherine Roudier-Tercinier, die heute das Haus leitet, war und ist die Produktion von Vallein Tercinier Cognac ein handwerkliches Meisterwerk vom Feinsten.

Unser Max hat mit Catherine über die Geschichte der Familie Vallein Tercinier gesprochen. Sie führt uns vom späten 18. Jahrhundert über zwei Weltkriege, das Leid der Nachkriegsjahre, die harten Zeiten der 1970er und 1980er Jahre bis in die goldene Ära des Cognac, in der wir heute leben.

Es ist eine durchaus faszinierende Geschichte, so viel sei gesagt. Und wer könnte sie uns besser erzählen als Catherine Roudier-Tercinier selbst?

Der Beginn von Vallein Tercinier

Max: Lass uns über die Geschichte des Cognac-Hauses sprechen. Kannst du mir sagen, mit wem die Geschichte des Hauses beginnt?

Catherine: Begonnen hat alles Louis Vallein. Er kaufte 1791 das Anwesen Domaine des Forges, das auch Le Point du Jour genannt wird. Es war sein Sohn Georges, der etwa 1850 beschloss, den Weinberg zu kultivieren. Damals wurde bereits Getreide angebaut – Nutzpflanzen, die wir auch heute noch haben.

Max: Wie viele Hektar Anbaufläche habt ihr für die Nutzpflanzen und wie viele für den Weinanbau?

Catherine: Wir haben insgesamt ungefähr 130 Hektar, davon werden ungefähr 25 Hektar für den Weinanbau genutzt. Genaugenommen gehört das Land meinem Neffen. Er kauft auch neue Weinberge an – wir expandieren also. Außerdem erschließt er weitere 80 Hektar und rekultiviert sie mit Nutzpflanzen.

Max: Welche Arten von Nutzpflanzen baut ihr heute an?

Catherine : Wir haben Weizen, Sonnenblumen und Raps. Wir pflanzen keinen Mais an, weil er sehr viel Wasser benötigt. Wir bauen hauptsächlich traditionelle Pflanzen an, aber wir könnten aufgrund der globalen Erwärmung zukünftig gezwungen sein, dies zu ändern.

Max: Ich kann mir vorstellen, dass die Reben ursprünglich für die Herstellung von Wein angebaut wurden, richtig?

Catherine : Ja, das stimmt. Dann tat sich mein Großvater mit einer örtlichen Brennerei (Marcel Cottereau) zusammen und stattete diese mit vier Destillierkolben aus. Dies war um 1930.

Destillierkolben von Vallein Tercinier
Das Haus hat noch seine originalen Destillierkolben.

Max: Das war in Barbezieux? Wo genau?

Catherine: In einem winzigen Ort namens Plaisance – er ist wirklich klein, nicht einmal ein richtiges Dorf, eher wie eine Siedlung. Er ist in der Nähe von Saint Marie. Als ich anfing, in der Brennerei zu arbeiten, war mein Onkel verantwortlich für die Cognac-Herstellung. Wir haben das Eau-de-vie hergestellt und an Rémy Martin verkauft.

Der Markenname

Max: Heißt das, dass ihr damals keine eigene Marke hattet – keinen eigenen Markennamen?

Catherine: Wir haben als eigene Marke gearbeitet und hauptsächlich unter dem Markennamen Camille Dupuis produziert und verkauft.  

Anwesen von Vallein Tercinier Cognac
Domain des Forges, Heimat von Vallein Tercinier Cognac

Max: Das sollte man nicht mit dem anderen Dupuy Cognac verwechseln, der Bache Gabrielsen gehört – dieser wird anders geschrieben.

Catherine: Ja, das ist eine andere Marke. Und Camille Dupuis selbst war mit Georges Vallein, meinem Urgroßvater, befreundet. Georges belieferte sie mit dem Cognac und Dupuis verkaufte die Flaschen.

Später – ich glaube, es war um 1920 – kaufte Paul Vallein die Marke von Herrn Dupuis und wir begannen, den Cognac unter der Marke Camille Dupuis zu verkaufen.

Max: Warum gibt es die Marke Camille Dupuis nicht mehr?

Catherine : Nun ja, es gibt sie noch. Man könnte sagen, dass wir sie für’s erste in den Ruhestand geschickt haben. Um 1986, vielleicht 1987 oder so (ich habe das Unternehmen 1986 gegründet), war es etwas kompliziert. Wir haben viel destilliert, aber nicht viele Flaschen hergestellt. Ich wollte diesen Teil des Geschäfts unbedingt weiterentwickeln – um mehr Flaschen zu produzieren. Da habe ich herausgefunden, dass es interessanter und vorteilhafter wäre, unter unserem eigenen Namen zu verkaufen, als mit dem Namen Dupuis weiterzumachen.

Ich wollte den Markennamen Camille Dupuis behalten, nur für den Fall, dass wir ihn brauchten. Ich hatte viele Gespräche darüber mit meinem Vater und… schließlich habe ich gewonnen! 

Der Markenname ist seit 1920 in Familienbesitz, also seit über 100 Jahren. 

Alte Flaschen Vallein Tercinier
Die Marke Dupuis war der Vorgänger von Vallein Tercinier und gehört dem Haus noch immer.

Max: Wann habt ihr aufgehört, Cognac unter dem Namen Camille Dupuis zu verkaufen?

Catherine: Ich glaube, wir haben in den 90er Jahren damit aufgehört. Wir produzierten weiterhin einen Pineau unter dem Namen Dupuis. Es gab zwei Ausführungen – eine unter unserem Namen (Vallein Tercinier) und eine unter dem Namen Camille Dupuis. Tatsächlich verkauften wir mehr vom Dupuis Pineau. Obwohl der Pineau gut war, war die Form der Flasche bei einigen Leuten nicht sonderlich beliebt. Ihr wurde ein portugisischer Stil nachgesagt – ich denke, das war eine höfliche Art zu sagen, dass die Flasche ein bisschen hässlich war!

Um ehrlich zu sein, war es ziemlich kompliziert, einige Produkte unter dem Namen Vallein und einige unter Dupuis zu vertreiben. Die beiden Namen machten es komplex und schwierig, eine klare Marke zu etablieren. Das führte zu Schwierigkeiten beim Marketing. Deshalb beschlossen wir, den Namen Camille Dupuis abzulegen – man könnte sagen, wir haben ihn in den Standby-Modus versetzt. Wir haben jedoch einige Projekte für die Marke ins Auge gefasst. Aber darüber reden wir ein andermal.

Max: Was ist zwischen 1920 und 1980 passiert? Was ist mit der Landwirtschaft passiert? Das war eine sehr wichtige Periode der europäischen Geschichte.

Catherine: Nun, mein Großvater war ein sehr moderner Mann. Er sprach Französisch, Deutsch und Englisch, er reiste viel, war ständig auf der Suche nach neuen Trends und blieb immer am Ball. Zu dieser Zeit destillierten wir für Courvoisier, Rémy Martin usw. Außerdem exportierten wir auch im großen Stil.

Alte Fässer Vallein Tercinier
Massenverkauf von Cognac noch bevor dieser populär wurde.

Mein Großvater war ein ausgesprochen guter Geschäftsmann, während mein Vater ebenfalls ein wunderbarer Mann war, allerdings nicht besonders geschäftstüchtig. Aus kommerzieller Sicht war es für das Unternehmen, während mein Vater es führte, eine ziemlich ruhige Zeit. Wir haben viel für andere Cognac-Häuser produziert, anstatt die Marke weiterzuentwickeln.

Alte Fässer Vallein Tercinier

Es war aber auch eine sehr komplizierte Phase in unserer Geschichte, daher war es in Ordnung, sich darauf zu konzentrieren, anstatt die Marke und das Geschäft weiter voranzutreiben.

Max: Und es waren noch immer 20 Hektar Weinanbaufläche?

Catherine: Zu dieser Zeit besaßen wir 23 Hektar und mieteten 12 weitere Hektar. In dieser unbeständigen Zeit waren wir gezwungen, einige Weinberge zu verkaufen. Aber mittlerweile ist es das Ziel meines Neffen, den gesamten Weinberg neu zu kultivieren und zu erweitern.

Das Anbaugebiet

Max: Lass uns ein bisschen über den Weinberg sprechen. Wie alt sind die Reben?

Catherine: Wir erneuern gerade tatsächlich alles. Mein Neffe möchte den ganzen Weinberg neu bepflanzen. Seit mein Großvater die Reben gepflanzt hat und 1976 starb, hat sich nichts geändert. Viele der Reben waren oder sind also sehr alt. Mein Neffe hat bereits über die Hälfte des Weinbergs neu bepflanzt. Die meisten Reben sind Ugni Blanc

Catherine und ihr Neffe Stephane
Catherine und ihr Neffe Stephane

Max: Dabei handelt es sich also um 10 Hektar. Hat diese Rekultivierung vor kurzem stattgefunden? 

Catherine: Ja, das ist noch nicht allzu lange her. Er hat 2010 angefangen, mit uns zu arbeiten, seitdem also. Die Zeit vergeht wie im Flug – es ist ja schon 2020!

Max: Und in welchem Cru baut ihr an, in welchen Anbaugebieten?

Catherine : Also, in Chermignac bauen wir in Bons Bois an. Thenac und die umliegenden Dörfer befinden sich im Fins Bois Cru. Drei Viertel unserer Reben stehen in Fins Bois und ein Viertel in Bons Bois

Max: Und der Vallein-Tercinier L’ESSENTIEL Cognac, den ich gerade probiert habe, stammt aus Chermignac?

Catherine: Ja, und wir haben ein Stück Land, das ein außergewöhnlich gutes Bons Bois Eau-de-vie hervorbringt. Es liegt direkt neben dem Friedhof. Das lustige ist, dass diese Gegend im Dorf „La Champagne“ genannt wird. Die gute Qualität ist also kein Zufall. Alles, was auf dieser besonderen Anbaufläche gewachsen ist, ist wirklich sehr, sehr gut. Wenn man sehr alte Bons Bois Cognacs und deren Qualität einmal probieren, dann weiß man dass man etwas wirklich Gutes in der Hand hält.

Max: Das heißt, dieses Eau-de-vie hat einen ähnlichen Geschmack wie Grande Champagne?

Catherine: Ja fast. Nun ja, seien wir bescheiden und ehrlich – sagen wir mal Petite Champagne (lacht).

Max: Habt ihr im Zuge der neuen Rechte zur Rekultivierung von Weinreben auch die 0,96 Hektar Pflanzrechte erhalten, wie alle berechtigten Cognac-Winzer im Jahr 2020?  

Catherine: Ja, genau wie alle anderen.

Die Kriegsjahre – eine unbeständige Periode der Geschichte

Max: Es scheint, als wäre die Region während und nach dem Ersten Weltkrieg nicht allzu stark davon betroffen. Aber der Zweite Weltkrieg und die Besetzung durch die Nazis – das ist eine andere Geschichte … 

Catherine: Ja, das stimmt. Der Zweite Weltkrieg war hier sehr schwierig – nun, das war er wohl für alle. Wir hatten die Deutschen hier. Sie wohnten tatsächlich im Haus meiner Großeltern. 

Max: Bei deinen Großeltern?

Catherine: Ja, mein Großvater war der Bürgermeister des Dorfes. Und mein Großonkel Paul Vallein war früher Bürgermeister von Chermignac. Es war eine schwere Zeit für meinen Großvater. Er musste den Deutschen gehorchen, aber zugleich seine Gemeinde schützen. Aber zu dieser Zeit gab es zuhause keine großen Dramen. Bei uns ereigneten sich die Dramen erst während der Befreiung – genau am Ende des Krieges und danach.

Dies lag an einer Gruppe namens La Compagnie Violette, die wie Helden gefeiert wurden. In Wirklichkeit waren die meisten von ihnen Räuber und Kriminelle. Sie folterten und ermordeten meinen Großonkel, der damals 80 Jahre alt war. Sie wollten wissen, wo er sein Geld versteckt hatte. Es war grausam, eine wirklich harte Zeit. Wir hatten Glück, dass mein Großvater zu dieser Zeit im Gefängnis war, da er beschuldigt wurde, ein Kollaborateur zu sein – ein Verräter. 

Er war ein sehr guter Mann, der viele Menschen gerettet hatte. Aber inhaftiert zu sein, erwies sich als Glück im Unglück, denn andernfalls hätte ihn das gleiche Schicksal ereilt, wie es bei meinem Großonkel der Fall war. Der Krieg war grässlich. Die Deutschen im Hause zu haben war nicht leicht. Aber es gab wenig Gewalt – sie haben uns nur bis zu einem gewissen Grad benutzt. Sie haben zwar einige unserer Sachen mitgenommen, das hat uns aber nicht allzu hart getroffen. In dieser Zeit gab es keine besonders schrecklichen Vorfälle – die ereigneten sich erst nach dem Krieg.

Max: Gerüchten zufolge kamen die Deutschen nach Cognac und Bordeaux, um die Weinkeller zu plündern .

Catherine: Ja, es ist bekannt, dass so etwas in Bordeaux passiert ist. Was genau in Cognac passiert ist, versuchen wir immer noch zu rekonstruieren. Mein Großvater oder Vater haben nie von einem groß angelegten Diebstahl gesprochen. Natürlich haben sich die Deutschen am Inhalt unseres Kellers erfreut, allerdings nicht in großem Maße.

Ich erinnere mich an eine Geschichte, die mir mein Vater erzählt hat, über einen deutschen Offizier, der in seinem Haus war. Dieser hatte einen Sohn, der ungefähr so ​​alt war wie mein Vater – vielleicht 13 oder 14. Also wollte er sich natürlich mit meinem Vater unterhalten. Aber meinem Vater und seinen Schwestern war es verboten, mit Deutschen zu sprechen. Dies ist natürlich nur eine Anekdote. 

Ich habe meinen Vater oder Großvater nie über Diebstahl aus unseren Kellern sprechen hören. Aber ich denke, dass das Trauma, das meine Familie nach dem Krieg durch den Mord an meinem Onkel erlitten hat, diese Diebstähle weniger wichtig erscheinen ließ, als sie es vielleicht gewesen sein mögen.

Max: Diese Befreier – waren sie der Widerstand?

Catherine: Ja, Einige waren vom Widerstand und viele von ihnen waren wirklich gute Menschen. Einige von ihnen waren aber auch wirklich schlechte Menschen. Sie standen nicht wirklich für die Sache ein, sie haben nie wirklich geholfen. Sie hatten keine Skrupel, ihren Status auszunutzen und als sie realisierten, dass niemand etwas dagegen unternahm, begingen sie Gräueltaten. Und es gab Einige von dieser Sorte in der Region.

Das, was mit meinem Großonkel passiert ist, das ist mehreren Menschen in der Gegend passiert. Aus diesem Grund haben wir unsere 1940er Flasche Bon Bois , die wir zu Ehren meines Großonkels Paul Vallein „Hommage“ nannten. Es ist eine Erinnerung an ihn und an die traurigen Zeiten, von denen so viele Menschen in dieser Zeit betroffen waren.

Sie haben Paul vor den Augen meines Vaters gefoltert, bevor sie ihn ermordet haben. Es ist durchaus nachvollziehbar, dass mein Vater gelegentlich seltsame oder finstere Gedanken hatte, wenn man weiß, dass er ein solches Trauma durchgemacht hat.

Max: Wie hat sich die Familie nach dem Krieg erholt? Wie habt ihr das Trauma hinter euch gelassen und in ein normaleres Leben zurückgefunden?

Catherine: Nun, mein Großvater war ein toller Mann voller Energie. Er hatte einige Freunde – zum Beispiel die Firma Maison Niox in Saintes, die Flaschenwein verkaufte. Er arbeitete auch mit der Firma Rouyer Guillet zusammen. Er nahm das Geschäft wieder auf, arbeitete ständig sehr hart und suchte nach neuen Geschäftsideen. Mein Vater kam zurück und übernahm das Geschäft 1947 – oder vielleicht etwas später, damals wäre er zu jung gewesen – wahrscheinlich war es in den 1950er Jahren.

Max: Und zwischen 1960 und 1980 arbeitete das Familienunternehmen hauptsächlich mit Courvoisier und Rémy Martin zusammen?

Catherine: Ja genau. Es blieb bei der Destillation und dem Weinberg. Wir haben hauptsächlich für andere Unternehmen gearbeitet. Die Abfüllung für Camille Dupuis erfolgte zu dieser Zeit in der Brennerei in Barbezieux. Wir haben die Abfüllung ungefähr 1975 wieder nach Hause verlagert und die Barbezieux-Brennerei wurde verkauft.  

Es war mein Vater, der den Flaschenverkauf einführte. Dies taten damals nicht Viele, deshalb haben wir die Gelegenheit zum Auslagern genutzt.

Wir hatten die Brennerei in Barbezieux und die Brennerei in Chermignac. Wir haben die in Chermignac behalten und sie nach dem Zweiten Weltkrieg ausgebaut. Wir hatten zunächst vier Destillierkolben und erweiterten diese dann auf acht.

Max: Das ist mehr als genug für 20 Hektar Rebfläche. Ich denke, ihr habt ziemlich viel ausgelagert?

Catherine: Ja, wir haben Weine gekauft und destilliert. Zwei Destillierkolben reichen normalerweise für 20 Hektar Rebfläche aus. Ich sage immer, ich bin glücklich, nach den anderen geboren zu sein. Es ist ihrer harten Arbeit zu verdanken, dass ich heute mit so großartigen Eaux-de-vie arbeiten kann. Das alles verdanken wir ihnen und dem, was sie uns überlassen haben.

Alte Cognac-Fässer im Keller
Das Haus hat heute einen großen Bestand an Eaux-de-vie, der viele Jahrzehnte alt ist.

Max: Und ihr habt heute noch einen guten Vorrat an Eaux-de-vie?

Catherine: Ja, das ist gut, weil wir ein kleines Unternehmen sind. Wir machen von allem etwas. Dies ermöglicht es uns, schwere Zeiten wie diese zu bewältigen – mit COVID-19. Wenn man klein, aber breit aufgestellt ist, hat man die Möglichkeit sich davon zu erholen.

Unser Kellermeister Foucauld de Menditte ist sehr angesehen und wir haben auch einen tollen Verkoster.

Kellermeister Foucauld de Menditte
Kellermeister Foucauld de Menditte

Max: Seid ihr also Winzer, Bauer, ihr destilliert mit acht Destillierkolben und führt auch den Abfüllprozess durch, oder?

Catherine: Ja, das machen wir auch. Wir führen alle Schritte selbst durch, von den Reben bis zur Flasche, und verbessern den Prozess ständig. Wenn wir jetzt mit voller Kapazität produzieren würden, könnten wir 8.000 Flaschen pro Tag abfüllen. Natürlich nicht, dass wir das tun, aber wir haben die Möglichkeit dazu. Und wir sind auch ein Großhändler.

Abfüllung von Cognac in Flaschen
Das Haus führt alle Schritte der Cognac-Produktion selbst durch.

Max: Das sind viele verschiedene Aufgabenbereiche.

Catherine: Stimmt. Aber wie gesagt, es ermöglicht uns, zu diversifizieren, das Risiko zu reduzieren und flexibel zu sein. Je nachdem, was in der Welt vor sich geht.

Max: In den letzten zehn Jahren hat sich die Marke Vallein Tercinier wirklich weiterentwickelt. Wie habt ihr euch seit den 1980er Jahren mit der Marke Camille Dupuis bis heute mit der Marke Vallein Tercinier entwickelt? 

Catherine: Wir hatten unseren klassischen Blend und machten weiter mit den traditionellen Qualitäten VS, über einen Vallein Tercinier VSOP, Napoleon, XO und Hors d’Age. Diese alle haben wir mit Ausnahme des Napoleon in den neunziger Jahren weitergeführt, während wir die Marke Vallein Tercinier weiterentwickelten.

Messestand von Vallein Tercinier
Vallein Tercinier stellt eine große und vielfältige Auswahl an handverlesenen Cognacs her.

Wir hatten einen Vertrag mit Pierre Balmain, dem in Japan sehr bekannten Haute Couture-Modehaus. Dadurch konnten wir uns mit Importeuren vernetzen, zu denen wir sonst nie Zugang erlangt hätten. Obwohl wir keine großen Umsätze gemacht haben, hat es uns wichtige Türen eröffnet.

Also machten wir mit unserem klassischen Sortiment weiter. Ich hatte das Glück, Pascal Baijot vom Maison Grosperrin kennenlernen zu dürfen, der ein wahrer Cognac-Connoisseur ist. Er kam uns entgegen, um sich über unseren Pineau de Charentes zu informieren. Ich bat ihm einen Rundgang durch unseren Keller an und er probierte unseren Grande Champagne, den wir Vallein Tercinier LOT 65 nennen. Er sagte zu mir: „Catherine. Sie müssen aufhören, dies als Blend zu verkaufen, und es pur verkaufen. “ Nun ja, er mag keine Blends, aber er bestand darauf, dass dieser Cognac pur verkauft werden sollte.

Vintage Cognacs in Flaschenkörben.
Besondere Cognacs werden abgefüllt und als Vintage verkauft.

Also dachte ich mir, warum nicht? Zu dieser Zeit arbeitete ich mit einer Verkäuferin zusammen und sagte ihr: „Ja, lass es uns versuchen.“ Das war vor 10 Jahren oder so. Also haben wir es der Maison du Whisky vorgestellt und Serge Vallentin, der einen Blog namens Whiskey Fun hat, eine Probe zukommen lassen.

Eines Morgens öffnete ich meinen Computer und es gab eine Menge Bestellungen per E-Mail aus der ganzen Welt für eine bestimmte Flasche. Es war wirklich seltsam und mir wurde klar, dass über Nacht etwas passiert sein musste. Und es hatte … Serge hatte eine wirklich gute Rezension über LOT 65 geschrieben. Da er viele Anhänger und großen Einfluss hat, führte dies zu vielen Verkäufen.

Also schauten wir uns unsere Keller genauer an, um zu sehen, ob wir andere Cognacs hatten, die außergewöhnlich genug waren, um als Vintage getrunken zu werden. Auf diese Weise haben wir begonnen, unser eigenes Sortiment an Brut de Fut- und Millesime-Cognacs herzustellen. Aber wir wollen das nur mit denen machen, die wirklich, wirklich etwas Besonderes sind. Wir möchten lieber kein neues Produkt auf den Markt bringen, als ein Produkt, das nicht von höchster Qualität ist.

Ich denke, dass es während der Zeit meines Großvaters eine wirklich zukunftsorientierte Ära war. Dann, als mein Vater die Geschäfte führte, war es viel ruhiger. Dazu kam die Krise in den 1970er Jahren. Als Vallein Tercinier wiedergeboren wurde, dachten wir, jetzt ist es an der Zeit, neue Produkte anzubieten.

Insbesondere Whiskytrinker haben viele Vorurteile gegenüber Cognac. Wir wollen nicht, dass Sie ihre Vorlieben wechseln, sondern nur, dass sie erkennen, wie gut unser Cognac ist und dass sie ihr Repertoire erweitern. Wenn wir also auf Messen sind, versuchen wir Leute zu überzeugen, die unseren Cognac normalerweise nicht verkosten würden – auch wenn sie etwas zurückhaltend sind. Wenn sie sagen, dass sie Cognac nicht mögen, sagen wir ihnen, dass es wahrscheinlich daran liegt, dass sie noch nie einen wirklich Guten probiert haben.

Wir beginnen damit, sie auf den Geschmack eines VSOP zu bringen. Normalerweise sind sie überrascht, wie gut dieser ist. Dann steigern wir uns in den Qualitäten und viele Leute finden es erstaunlich, dass ein Cognac so gut sein kann. 

OK, vielleicht übertreibe ich ein bisschen, aber ziemlich genau so läuft es ab.

Die Renaissance von Vallein Tercinier

Max: Könnte man die Zeit ab 2010 die Renaissance von Vallein Tercinier nennen? Warum die Renaissance und woher stammt der Name? 

Catherine: Nun, Tercinier stammt von meinem Großvater und Vallein von Paul Vallein. Vor den 1980er Jahren hieß die Marke also Camille Depuis. Danach wurde sie wiedergeboren und wurde Vallein Tercinier.

Max: Ich vermute bei den Zahlen hier, dass ihr dann 10% für eure eigenen Flaschen und den Rest für Rémy Martin produziert habt?

Catherine: Ja, genau so war es. Am Anfang, machte die Produktion vielleicht 3% unserer Arbeit aus. Der Rest war die Destillation und das Abpacken – wir haben kaum etwas abgefüllt.

Max: Wie viel Prozent macht deiner Meinung nach die Abfüllung in eurem heutigen Geschäft aus?

Catherine: Für die Marke Vallein Tercinier sind es rund 40%. Und das Leben bringt immer neue Herausforderungen. Manchmal sind schwierige Umstände oder finanzielle Schwierigkeiten – ich habe den Großteil meiner ersten 20 Jahre hier damit verbracht, das Geschäft zu retten. Strategische Entscheidungen mussten getroffen werden, um unsere Verbindlichkeiten zu bezahlen und nicht unterzugehen. Heute sind wir in einer guten Position, dem Unternhemen geht es gut. Dies bedeutet, dass wir uns weiterentwickeln können, renovieren und notwendige Arbeiten ausführen, etwa die Dachreparatur, die wir gerade fertiggestellt haben.

Aber weißt du, was mich gerettet hat? Wenn man auf das vertraut, was man tut und fest daran glaubt. Die Bank rief mich jeden Tag an… Ich hatte das Gefühl, dass das ganze Familienunternehmen um mich herum zusammenbrach. Aber im Keller fand ich einen zierlichen Petite Champagne aus dem Jahr 1935, der wirklich wunderbar war. Ich goss mir jeden Abend ein bisschen in ein Glas, nachdem alle anderen das Büro verlassen hatten. Mein Vater lebte zu diesem Zeitpunkt noch, aber ich wollte ihn nicht unter Druck setzen. Also saß ich mit einem kleinen Glas dieses Petite Champagne Cognac von 1935 im Büro und sah mir Bilder von meinem Großvater und meinem Großonkel an. Und ich habe mit ihnen gesprochen und gesagt: „Leute – wir brauchen wirklich eine Pause. Es muss etwas Gutes geschehen, damit wir weitermachen können.

Ich kann also sagen, dass der Petite Champagne von 1935 mir wirklich, wirklich geholfen hat, weiterzumachen. Es ist lustig, wie man an den kleinen Dingen festhält, wenn es schwierig wird. Ich spreche immer noch regelmäßig mit meinem Großvater, Großonkel und Vater, um über das Geschäft zu reden und um Hilfe zu erbitten, während wir weitermachen. Und ich bin überzeugt, dass sie dies auch tun!

Max: Das ist ein großartiges Ende. Catherine, vielen Dank für das Interview. 

Domaine von Vallein Tercinier
Autor/in

Neben Cognac begeistert von Natur, Reisen, Literatur und klassischen Rennrädern.

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