Cognac, Brandy, Weinbrand, oder doch Branntwein? Obwohl Cognac eines der bekanntesten und teuersten Getränke der Welt ist, dürfte es manch einem wohl schwer fallen, die Frage „Was ist Cognac?“ aus dem Stegreif zu beantworten. Im Folgenden Artikel erfahren Sie unter Anderem, warum jeder Cognac ein Weinbrand ist, jedoch nicht jeder Weinbrand ein Cognac, wie die edle bernsteinfarbene Spirituose hergestellt wird und was die Klassifizierungen VS, VSOP und XO bedeuten. 

Jeder Cognac ist ein Weinbrand, aber nicht jeder Weinbrand ist ein Cognac.





Cognac ist ein hochwertiger Weinbrand mit einem Alkoholgehalt von mindestens 40%. Dieser wird in der französischen Stadt ‘Cognac’ und der umliegenden Region der Charente angebaut und hergestellt. Ausschließlich Weinbrand Sorten mit dieser Herkunft dürfen sich Cognac nennen. Wurde der Begriff Cognac (oder auch Kognak) früher im deutschsprachigen Raum oft fälschlicherweise auch für verschiedenste Weinbrände aus Deutschland verwendet, so ist dies mittlerweile aufgrund der geschützten Herkunftsbezeichnung verboten. 

Anbaugebiet

Die Cognac Region befindet sich im Westen Frankreichs nahe der Atlantikküste und ist aufgeteilt in sechs verschiedene Anbaugebiete, die sogenannten Crus. Das nach Bordeaux zweitgrößte Weinanbaugebiet Frankreichs umfasst etwa 79 000 Hektar und ist mit dem Siegel der Appellation d’Origine Controlée Cognac ausgezeichnet. Die sechs Crus unterscheiden sich in ihrer Qualität und ihrem Rang, bei dem vor Allem die unterschiedlichen Bodenbeschaffenheiten eine wichtige Rolle spielen. 

Die 6 Crus der Cognac Region

Rebsorten

Für die Herstellung verschiedenster Cognac Sorten werden drei Traubensorten bevorzugt verwendet. Ugni Blanc, besser bekannt unter ihrem italienischen Namen Trebbiano, macht den Großteil der in Cognac angebauten Weintrauben aus. Hinzu kommen Folle Blanche und Colombard. In unserem Artikel “Die drei Trauben der Cognac Herstellung” erfahren Sie mehr über die verschiedenen Traubensorten und deren Anbau und Merkmale.

Ugni Blanc Cognac Traube

Cognac Herstellung und Lagerung

Nachdem die Trauben im Spätsommer geerntet werden, wird aus ihnen ein säuerlicher Wein mit einem Alkoholgehalt von etwa 8% gewonnen. Dieser wird über den Winter zweifach destilliert. Es entsteht das noch klare Destillat Eau de vie. Dieses färbt sich erst durch die mehrjährige Lagerung in Eichenfässern dunkel. Je länger die Lagerdauer, desto dunkler die Farbe des Cognacs. Diese kann jedoch durch die Zugabe von Zucker auch künstlich verdunkelt werden. Neben der Farbe ist das Eichenfass auch maßgeblich für die Aromen des Cognacs verantwortlich. Die Aromen aus dem Holz vermischen sich mit denen des Destillats und verleihen einem guten Cognac seinen unverkennbaren Geschmack.

Cognac Fässer im Keller

Der Reifeprozess ist mit der Abfüllung des Cognacs in Flaschen abgeschlossen. Durch eine längere Lagerung der Flaschen im Keller oder im Regal wird ihr Cognac also nicht mehr reifen. Dennoch gilt es bei der richtigen Lagerung von Cognacflaschen einige Dinge zu beachten:

Cognac Lagerung

Eine aufrechte Lagerung der Flaschen verhindert, dass die Flüssigkeit mit dem Korken in Kontakt kommt und diesen aufweicht. Die Flaschen sollten außerdem vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden und an einem schattigen, kühlen Ort mit konstanter Temperatur, beispielsweise in einem trockenen Keller, gelagert werden. Beachtet man dies, ist Cognac ungeöffnet quasi ewig haltbar. 

Wie trinkt man Cognac?

Bei der Verkostung von Cognac ist es wichtig, diesen zunächst atmen zu lassen, damit sich alle Aromen vollständig entfalten können. Je älter der Cognac, desto länger muss er atmen. 

Cognac Degustation

Auch das richtige Cognacglas ist entscheidend für das Freisetzen der Aromen bei der Verkostung. Es gibt zwei verschiedene gängige Varianten von Cognacgläsern: das tulpenförmige Glas mit einem langen Stiel, einer mittelgroßen Glocke und einer Außenwölbung am Rand des Glases, die ihm seinen Namen verleiht, und das Schwenker Glas mit kurzem Stiel und breiter Trinkglocke. Letzteres gilt als das klassische Cognacglas und bietet der Flüssigkeit eine große Fläche zum atmen. 

verschiedene Cognac Gläser

Hat der edle Tropfen im gewählten Glas lange genug geatmet, gilt es ihn mit Augen, Nase und Zunge zu verkosten und zu genießen. Bereits die Farbe und die beim Schwenken entstehenden Schlieren des Alkohols lassen ein geübtes Auge Rückschlüsse auf das Alter oder das Geschmacksbild des Cognacs ziehen. 

Über die Nase wird anschließend beim Einatmen das Bouquet des Cognacs aufgenommen. Ist dieses eher fruchtig, leicht und blumig handelt es sich zumeist um einen jüngeren Cognac, während ältere Exemplare oft ein beeriges bis nussiges Aroma entfalten. 

Cognac Bouquet riechen

Das Finale macht die Zunge. Es genügt, den Cognac in kleinen Schlücken zu nippen und ihn anschließend im Mund zu behalten und mittels geschickter Wangenbewegungen weiter mit Sauerstoff anzureichern. Erst so kann das komplette Geschmacksbild mit all seinen Facetten vollständig entfaltet werden und zur Geltung kommen. 

Altersbezeichnungen

Die Mindestdauer der Fasslagerung ist entscheidend für die Reifequalität eines Cognacs. Die offiziellen und gängigsten Altersklassifizierungen von Cognac lauten: VS, VSOP und XO. Meist ist Cognac eine Assemblage verschiedener Teile unterschiedlicher Altersstufen. Hierbei bezieht sich die Altersangabe auf den jüngsten zugesetzten Teil. Die Altersstufen sind neben weiteren Kriterien maßgeblich bestimmend für die Cognacgüte und dessen Preis.

Die Altersstufe VS bedeutet Very Special und zeigt an, dass ein Cognac VS mindestens zwei Jahre im Eichenfass gereift ist. Die durchschnittliche Lagerdauer beträgt bei einem Cognac VS vier bis fünf Jahre. Aufgrund seines vergleichsweise jungen Alters hat der VS eine hellere Farbe und ist aggressiver in Nase und Abgang. 

verschiedene Cognac-Färbungen

Ein Cognac VSOP (Very Superior Old Pale) ist mindestens vier Jahre im Eichenfass gereift. Sein durchschnittliches Alter liegt jedoch bei fünf bis 10 Jahren. Gelegentlich wird der VSOP auch als Very Superior Old Pine bezeichnet.

XO Cognacs (Extra Old) sind eine besondere Spezialität mit einem durchschnittlichen Alter von 20 bis 40 Jahren. Um die Altersangabe XO zu erhalten, muss das Destillat 10 Jahre lang im Holzfass gereift sein. XO Cognacs sind sehr hochwertig und haben eine dunklere Farbe als die jüngeren Altersstufen. 

Es geht noch älter: die neu eingeführte Alterskategorie XXO (Extra Extra Old) zeichnet Cognacs aus, deren jüngstes Eau de vie mindestens 14 Jahre alt ist. XXO Cognacs sind eine Seltenheit und werden daher immer beliebter.

Mehr über die Klassifizierung und weitere gängige Alterskategorien, wie zum Beispiel Napoleon, erfahren Sie in unserem Artikel „Cognac Altersangabe: Was bedeutet VS, VSOP und XO bei Cognac – Unterschiede?“.

Preise und Verfügbarkeit

Ein junger Cognac kostet circa 18 bis 25 € (VS Cognacs), ein mittelalter Cognac zwischen 30 und 40 € – und dann gibt es eigentlich keine Grenzen mehr. Je nach Aufmachung, Alter und Art der Flasche kann eine Flasche mehrere hundert tausend Euro kosten. Über 2000 Cognacs finden Sie auf unserem Shop!

Abgrenzung zu anderen Spirituosen

Andere hochwertige Brände, wie Whiskey oder Wodka, lassen sich insofern von Cognac abgrenzen, als dass deren Herstellung sowohl ein jeweils völlig anderer Rohstoff als auch ein teils weniger aufwändiger (und oft wesentlich kürzerer) Reifeprozess zugrunde liegt. Während Whiskey aus Getreide hergestellt wird, ist dies bei Wodka nicht genau festgelegt. Auch hier wird jedoch hauptsächlich Roggen oder Weizen verwendet. Ein schottischer Whiskey reift immerhin 3 Jahre, bei Wodka findet keine Reifung im Holzfass statt. 

Cognac oder Whisky?

Cognac, Brandy, Weinbrand, oder doch Branntwein? Wo liegt der Unterschied zwischen Cognac und anderen Spirituosen? Im Grunde ist es recht einfach. Branntwein ist eine Oberkategorie aller Spirituosen, die mittels Destillation aus Wein hergestellt werden. Hierzu zählen auch die Weinbrände, für die “Brandy” lediglich eine alternative Bezeichnung ist. Weinbrände definieren sich unter Anderem durch einen Mindestalkoholgehalt von 36% sowie die mehrjährige Reifung in Eichenfässern.  

Somit kann man also sagen, dass es sich bei jedem Cognac um einen Weinbrand handelt, jedoch nicht bei jedem Weinbrand um einen Cognac. Die aus der geschützten Herkunftsbezeichnung resultierende Exklusivität sowie seine vielfältigen Aromen machen ihn zu einer der angesehensten Spirituosen der Welt und sorgen dafür, dass sich der französische Edelweinbrand nicht nur unter Connaisseuren immer größerer Beliebtheit erfreut. 

Autor/in

Max ist ein Spirituosenexperte und Redner in den Bereichen Marketing, Technologie, Start-ups und Geschäftsentwicklung. Er ist auch ein Landwirt. Er mag Werkzeuge und Maschinen, Game of Thrones und Better Call Saul. Zu seinen Top 10 Cognacs gehören der Audry XO und Bache Gabrielsen 1973.

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