World Drinks Awards 2014

Neben den eigenen Versuchen, ein wenig Ordnung im Cognac Dschungel zu schaffen (sei es mit Empfehlungen für 10 Grande Champagne Cognacs, sei es mit 10 großartigen Cognacs unter 100 $) gibt es freilich auch die offiziellen Anlässe und Wettbewerbe, bei denen besonders hervorragende Exemplare innerhalb besagten Dschungels ausgezeichnet werden. Dazu zählen auch die World Drinks Awards, ein jährlicher Wettbewerb, bei dem sowohl herausragende Spirituosen als auch deren Packaging awarded werden.

Für die 2014er Ergebnisse im Segment Cognac dürfen sich ABK6Le Reviseur, Godet sowie last but definitely not least DEAU Cognac zu den glücklichen Gewinnern zählen.

ABK6 & DEAU Cognac Come Up Trumps in the World Drinks Awards

Grundlage für die Entscheidungen sind Blind Tastings, die von einer unabhängigen Jury, bestehend u.a. aus Fachjournalisten, Master Blendern und Brand Ambassadoren durchgeführt werden. Für die Ratings im Bereich Packaging Design wiederum zeichnen sowohl Designer als auch ausgewiesene Experten in Sachen Packaging Technology verantwortlich. Gesponsored wird der Contest von Glencairn Crystal und der Guala Closures Group.  ABK6 VSOP

Beginnen wir mit dem ABK6 VSOP Cognac, der sich nun mit dem illustren Titel “The World’s Best Cognac” schmücken darf.  Noch in guter Erinnerung durch unseren ProWein Besuch vor wenigen Wochen präsentiert sich der Cognac dunkel-gülden in der Farbe, auf der Nase mit so ausgeprägten wie gut ausbalancierten Anklängen von Südfrüchten und leicht herbalen Noten sowie etwas, das Elodie Abecassis und der Maitre de Chais von ABK6, Christian Guérin, treffend mit Patisserie-Aromen in Verbindung brachten: Kuchen, Süßgebäck, Café-Atmosphäre. Dieser Dreiklang von Frucht-, Kräuter- und Gebäcknoten setzt sich auf der Zunge fort und mündet schließlich in einen überzeugenden Aftertaste.

DEAU Louis Memory

In der Design Award Kategorie ist es DEAU’s Louis Memory, entworfen von Linea Packaging Design, der aufs Siegerpodest gesprungen ist. Dieser Cognac wiederum ist uns bekannt insbesondere durch unseren Besuch bei DEAU und wir freuen uns, diesen großartigen Cognac nun schon sehr bald unseren Lesern präsentieren zu können.

Gehen wir wieder einen Schritt zurück und kommen von den beiden Gewinnern zu den sogenannten zweiten und dritten Gewinnern:

Die Bronze Medaille im Cognac Segment geht an den Le Reviseur Cognac VS, einen Petite Champagne Cognac.  Le Reviseur Cognac ist Teil der ABK6 Gruppe, wird aber unter seinem eignen Namen vermarktet. Unabhängig davon aber ein würdiger Preisträger, der mit einem grandiosen Preis-Leistungs-Verhältnis daherkommt.

Demselben Haus wurde auch die Silber Medaille zugesprochen, nämlich für den Le Reviseur Extra Origin Cognac.

Daneben wurde DEAU Cognac auch im Segment ‘Best Travel Retail Design’ beehrt, und zwar mit der Deau XO Black Collection. Der Award für das beste ’Best Relaunch/Redesign’ ging schließlich an Godet Cognac für ihren Godet Antarctica Icy Cognac.

Sources: thedrinksreport.com

Hip Hop & Cognac als Luxuprodukt

Cognac und Hip Hop – das klingt mittlerweile nach einer dank diverser Marketingmaschinerien geschmierten, so völlig selbstverständlichen Kombi, dass genau dieses Selbstverständliche überdeckt, dass besagtes Selbstverständliche eigentlich wenig selbstverständlich ist (verstanden?). Ist es doch noch gar nicht so lange her, dass Cognac eher der Drink für die Fraktion der kapriziös Über-Saturierten war, für die einerseits immer neue Herausforderungen in Sachen pekuniärer Maßlosigkeit her mussten, die andererseits es sich aber nicht nehmen ließen, in ihrem Konsum auf bewährt-traditionelle Luxugüter zu setzen.

Man kann sagen: diese Selbstverständlichkeit ist tatsächlich abhanden gekommen. Cognac ist weiterhin ein Luxusprodukt, aber es ist auch zu einem Luxusprodukt für (nahezu) jedermann geworden. Damit zusammen hängt dann auch jene Beziehung von Cognac und Hip Hop. Aber alles der Reihe nach.

Cognac als Luxusprodukt

Im frühen 18. Jahrhundert führte der damalige König Louis XV. auf Cognac eine Steuer als Luxusprodukt ein. Diese Steuer war nicht nur kurz- und mittelfristig in den Staatseinnahmen wohlig spürbar, sondern hatte auch zur Folge, dass sich ins kollektive Gedächtnis der Franzosen langfristig die Vorstellung einbrannte, dass Cognac etwas sei, das großen Feierlichkeiten und wichtigen Gästen vorbehalten sein müsse. Der Grundstein von Cognac als einem Luxusprodukt war gelegt.

Fast forward ins 20. Jahrhundert, als zwischen den beiden Weltkriegen, d.h. insbesondere in den – sagen wir es ganz offen und vielleicht sogar ein wenig neidisch – unbedarft unverschämt-dekadenten 1920ern die Pariser Clubs von den ersten sowohl europäischen wie afro-amerikanischen Jazz-, Swing- und überhaupt Größen frequentiert wurden. Cognac war der Drink der Stunde und begann sich mit der Musik- und Unterhaltungsindustrie zu verflechten.

Zum Ende des Zweiten Weltkriegs und vermutlich schon während ihrer Stationierung in Frankreich kamen die Alliierten mit Cognac in Berührung – und zwar unter jenen Vorzeichen, die oben bereits angedeutet wurden: Cognac nicht als etwas, das eilig verkonsumiert wurde,  sondern als etwas exzeptionelles, etwas feierlich-würdevolles, das nur zu besonderen Anlässen auf den Tisch kam.

Cognac: ein “Good Times” Drink

Als die US Truppen nach Amerika zurückkehrten, stellte sich ein nachhaltig entscheidender Unterschied im Konsumverhalten von Weißen und Afro-Amerikanern ein: während jene zu ihren altbekannten und wohlvertrauten Alkoholika zurückkehrten – Whisky und Bier -, brachten die Schwarzen die Erinnerung an Cognac als einem “Good Times” Drink mit. Eine weitere Verbindungslinie war gezogen: zwischen Cognac und afro-amerikanischer Kultur.

Diese Verbindung blieb freilich den Verantwortlichen der Marketingabteilung von beispielsweise Hennessy nicht verborgen, die das hier vorhandene ökonomische Potential dergestalt zu befördern wussten, indem sie Werbeanzeigen gezielt in Magazinen wie “Jet and Ebony” schalteten, Magazinen also, die sich an ein dezidiert schwarzes Publikum richteten.

Die 1970er brachten dann ein ganz anderes, im Vergleich zu jenen Werbeanzeigen ungleich hochwertigeres Produkt dieser Verbindung zustande, nämlich das V.S.O.P. Quintett – eine Neuauflage des zweiten Miles Davis Quintett, mit dem Unterschied, dass anstelle von Miles Davis hier Freddie Hubbard ins Horn blies (beide Quintette seien nebenbei ausdrücklich empfohlen). Dass bei fünf schwarzen Musikern von jeweils etwa 40 Lenzen die Selbstbetitelung V.S.O.P. nicht ganz der Selbstironie entbehrt, erschließt sich, wenn man sich vergegenwärtigt, dass VSOP als Alters-, bzw. Qualitätsprädikat “very superior old pale”, also “ausgezeichnet, alt und blass” bedeutet.

Über die Jahre festigte sich jene Verbindung von afro-amerikanischer (Musik-)Kultur, um dann in den 1990ern von Busta Rhymes mit Pass the Courvoisier ihre ultimative Hymne verpasst zu bekommen: Das trotz aller Marketingbemühen doch irgendwie Subkulturelle wurde mit einem Schlag ins gleißende Scheinwerferlicht der Pop- = Massenkultur katapultiert.

Indem nach und nach jedes mehr oder minder große Cognac-Haus sich den jeweils passenden Hip Hop Künstler als Markenbotschafter, neudeutsch Brand Ambassador zulegte – von Ludacris bis Nas, von Jay-Z bis Snoop Dogg -, konnte zugleich auch eine jüngere Zielgruppe ins Visier genommen werden. Umgekehrt konnte resp. musste der Markt für diese jüngere Zielgruppe erschwinglichere Produkte entwerfen – ohne dass der für alle Beteiligten unangenehme Nebeneffekt entstehen würde, dass Cognac sein Image als Luxusprodukt verlieren würde.

Eine Rechnung, die – wie man mittlerweile resümieren kann – aufgegangen ist.

Cognac Features mit und ohne Cognac-Expert.com

Wie zumindest die englischsprachigen Leser dieses Blogs vermutlich noch in wohliger Erinnerung haben, durfte sich Cognac-Expert.com im Herbst letzten Jahres auf der jährlichen Auktionsveranstaltung des BNIC (Bureau national interprofessionnel du Cognac), La Part des Anges mit dem Titel des “International Cognac Writer of the Year” schmücken lassen.

Neben dieser Krönung mit dem weniger buchstäblichen als sprichwörtlichen Dichterlorbeer hatten wir aber auch die Freude, gerade auf dieser Veranstaltung, die kaum mehr vom urtypisch französischen Geist des Savoir vivre hätte durchdrungen sein können, auf eine Sprachverwandte aka Deutsche zu treffen: die MDR Info-Korrespondentin Daniela Kahls.

Da nun genau diese Daniela Kahls, d.i. die freundliche, mit echt journalistischem Interesse lauschende Dame rechts im Bild, sowohl das Thema Cognac im allgemeinen als auch die “La Part des Anges” Erfahrung im speziellen in einem aufwendigen Feature des Saarländischen Rundfunks mit Namen Cognac – der alte Franzose als Exportschlager verarbeitet hat, einem Feature, in dem auch dem Cognac-Expert.com Blog gebührend Platz eingeräumt wurde, konnten wir es uns nicht nehmen lassen, uns zumindest ganz dezent mit dessen Erwähnung zu brüsten. Dass nun gerade diese Sendung als Podcast nicht – nein, leider tatsächlich n i c h t – verfügbar ist, betrübt uns zwar selbstredend außerordentlich, wird allerdings kaum zu ändern sein.

Was wir dagegen anbieten können, ist ein Podcast in abgespeckter Variante aus der Reihe radioWissen des Bayrischen Rundfunks mit dem sinnigen Titel Cognac – Der Geist im Glas, sowie eine Bearbeitung für Deutschlandradio Kultur, ebenfalls mit dem Titel Ein alter Franzose als Exportschlager, der genauso nachdrücklich empfohlen sei.

Mit soviel geballter Information kann der Bildungsauftrag von Cognac-Expert.com für heute auch schon als erfüllt angesehen werden. Abschließend sei nur der Wunsch noch geäußert, dass nach soviel geradezu unverschämt devoter Dienstleistung zugunsten des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks uns ein Programmverantwortlicher beizeiten doch bitte für ein Exklusiv-Interview berücksichtigen möge.

Damit zurück in die angeschlossenen Funkhäuser.

Rémy Martin’s CEO Patrick Piana verlässt das Unternehmen

Wie heute morgen bekannt gegeben wurde, ist Patrick Piana nicht länger CEO des Cognac Hauses Rémy Martin.

Seit 2009 an der Spitze des Hauses, verlässt der 45 Jahre alte Piana das Haus nach offiziellen Angaben, um seiner Karriere eine neue Richtung zu geben, vom Management wiederum ist zu hören, es bedauere den Weggang.

Nun muss bekanntlich das, was in offiziellen Mitteilungen an die Öffentlichkeit herausgegeben wird, nicht immer mit den eigentlichen Beweggründen für einen Weggang übereinstimmen. Abseits davon liegt der Weggang Pianas zeitlich augenfällig nah am Weggang von Frederic Pflanz, seines Zeichens CEO des Mutterkonzerns Rémy Cointreau, den es nur wenige Monate bei dem Konsortium hielt.

Worin genau jene strategische Uneinigkeit besteht, bewegt sich für uns im  Reich des Spekulativen. Fakt ist aber, dass Rémy Cointreau im letzten Quartal einen nicht unwesentlichen Rückgang der Umsätze erlebt hat, der sich insbesondere auf den chinesischen Markt bezieht. Hier erleben wir seit etwa einem Jahr ein verstärktes Durchgreifen gegen Korruption, das sich schlussendlich auch auf die Absätze im Premium Markt niederschlägt.

Ein Blick auf den Konkurrenten Pernod Ricard mit seinem Cognac Haus Martell macht deutlich, worin eine Schwäche bestehen könnte: im Vergleich zu Rémy Martin insbesondere mit seinem Louis XIII liegt der Focus bei Martell erheblich weniger auf den Premium Produkten.

So liegt es fürs erste am Vorstandsvorsitzenden François Hériard Dubreuil die aktuelle Situation zu meistern. Um aber mit einem auch ökonomisch nicht zu verachtenden Lichtblick zu schließen: es sollte nicht vergessen werden, dass Rémy Martin über ein Lager von Fine Champagne Eaux-de-vie verfügt, das in Größe und Qualität seinesgleichen sucht. Mit diesem ganz handfesten Kapital im Rücken resp. in der Hand sollte der Blick in die Zukunft schon wieder ein wenig rosiger ausfallen.

Suntory plant Übernahme der Beam-Gruppe (Courvoisier inkl.) für $16 Milliarden

Das Jahr geht vielversprechend los mit einer der wenn nicht spektakulärsten, so doch größten Übernahmeaktionen der jüngeren sowohl Cognac- als auch Spirituosen-Geschichte. Oder anders: Courvoisier, immerhin eine eine der vier größten Cognac-Marken überhaupt, goes japanese (obligatorischer Gong-Sound im Hintergrund).

Suntory: Spirituosenriese mit Übernahmehunger

Suntory, der bereits jetzt gigantische Spirituosenriese Japans, hat offensichtlich einen nicht gerade mäßigen Übernahmeappetit, steht auf seiner Speisekarte doch nichts weniger als die US-amerikanische Beam-Gruppe. Kostenpunkt: $16 Milliarden Dollar. Das heißt, dass nicht nur Jim Beam Teil dieser ultimativen Super-Group wird, sondern auch die Cognac-Häuser Courvoisier und Louis Royer.  Die einzige Einschränkung betrifft die finale Zustimmung von den zuständigen Kartellbehörden und den Beam Aktionären.

Das aber, was hier voraussichtlich zusammen kommen wird, lässt sowohl den geneigten Spirituosen- wie Aktienkenner Sterne trunkener Glückseligkeit sehen: Beam’s Jim Beam Whisky und Maker’s Mark Bourbons, Courvoisier und Louis Royer Cognac, Sauza Tequila, nicht zuletzt die Japanischen Whiskies Suntory’s Yamazaki, Hakushu, Hibiki und Kakubin, außerdem Bowmore Scotch Whisky und Midori Liköre. Yummy! Pro Aktie bezahlt Suntory den Anlegern $83.50 Dollar, abgeschlossen werden soll der Deal im zweiten Quartal 2014.

Gegründet wurde Suntory 1899 und ist vor allem bekannt für den ersten originär Japanischen Whisky (makes Japan drunk since 1923).

Suntory Beam Courvoisier

Bekannter ist Suntory aber – sowohl dem informierten Kinopublikum als auch den meisten amerikanischen Konsumenten, außerdem, um die Kunst des klassischen Syllogismus zu verfeinern, amerikanischen Kinokonsumenten (womöglich sogar Kinomokonsumenten) – durch einen Werbespot, der mit Bob Harris, dem von Bill Murray verkörperten Charakter aus “Lost in Translation” wirbt: “For relaxing times, make it Suntory time.”

Übernahme der Beam-Gruppe: Courvoisier & Louis Royer unter einem Dach?

Nach dieser monströs-syntaktischen Konstruktion, die entscheidende Frage ganz simpel formuliert: was passiert mit Louis Royer? Werden Courvoisier und Louis Royer als zwei ja schlussendlich miteinander konkurrierende Cognac-Marken unter einem Dach geduldet werden, wird Louis Royer aus der Gruppe ausgegliedert, …?

Was auch immer geschehen möge, das Jahr 2014 hat spannend begonnen – und wird spannend weitergehen.