Können Cognacs zu bissig sein? Als absoluter Neuling in der Cognac-Welt versuche ich mir einen Überblick über verschiedene Aspekte der Spirituose zu verschaffen. In dem letzten Tasting konnte ich feststellen, dass rauchige Geschmacksnoten dazu beitragen können den Gesamteindruck eines Cognacs ruppiger wirken zu lassen. Selbstverständlich sind geschmackliche Vorlieben sehr verschieden. So bieten die einzelnen Cognac-Häuser entsprechend genügend Variationen von ihren Produkten an, möglichen Vorlieben gerecht werden zu können.

Was mich aber vordergründlich für Cognac im Speziellen begeistern konnte, ist das Zusammenspiel aus Sanftheit und Komplexität. Immer wieder ist von dem Wort „Smoothness“ zu lesen. Das spannende dabei sollte aber stets sein, immer neue Facetten der Spirituose kennenlernen zu wollen. Für dieses Tasting schaue ich mir die drei Sorten VSOP, Napoléon und XO aus dem Maison Bertrand an. Welcher Cognac kann hier überzeugen?

Die drei Bertrand-Cognacs.

Cognac Bertrand ist ein traditionsreiches Haus, etwa eine halbe Stunde südlich von Cognac gelegen, im Zentrum der Petite Champagne auf dem Domaine des Brissons de Laage. Bekannt ist das Haus durch seine altehrwürdige Windmühle, dessen Grundmauern noch immer auf dem über 80 Hektar großen Gut posieren.

Alle Produkte werden dort in Eigenregie hergestellt und abgefüllt, von dem Rebstock bis in die Flasche. Das Angebot ist überschaubar aber qualitativ hochwertig. Teile der Erzeugnisse werden auch an Häuser der sogenannten „Top 4“ (Hennessy, Rémy Martin, Martell, Courvoisier) verkauft. Das Vorgehen ist üblich, denn oft können pro Saison mehr Eaux-de-Vie produziert als vertrieben werden. Als eigenständige Marke möchte Bertrand insbesondere mit der langen Geschichte punkten, Authentizität und Handwerkskunst werden betont. Seit 1731 wird von Generation zu Generation das Wissen weitervererbt.

Heute ist die Familie Bertrand auch für ihre starken Frauen bekannt, die das Familienunternehmen bereits entscheidend vorangetrieben haben. Gespannt bin ich daher auch auf mögliche geschmackliche Eindrücke, die charakteristisch für Bertrand sein können.

Für dieses Tasting nutze ich erneut einfache Schwenkgläser. Bei anderen Tasting-Sitzungen habe ich alternativ kleine Weingläser ausprobiert. Dabei zeigte sich bereits, dass sich die Geruchsaromen schneller verflüchtigen oder gar nicht erst richtig sammeln können. Die zugespitzte Form am oberen Glasrand hat also durchaus seine Berechtigung. Um ein langanhaltendes Geruchserlebnis zu erhalten, lohnen sich solche speziellen Gläser also in jedem Fall.

Zu Beginn bin ich mir jedoch unsicher, auf was genau ich beim Riechen am Glasrand so alles achten kann. Ich lege also einfach los. Da es in mehreren Tasting-Sitzungen zu unterschiedlichen Eindrücken kommen kann, mache ich mir Notizen um zu schauen inwiefern sich meine Eindrücke verändert oder bestätigt haben. Insgesamt habe ich die Bertrands drei Mal getestet.

1. Cognac Bertrand – VSOP

Zunächst schaue ich mir den VSOP an. Farblich ist er der hellste von den dreien, was natürlich auf die vergleichsweise kürzere Reifezeit rückzuführen ist. Trotzdem hat dieser Cognac zehn Jahre in Limousin-Fässern ruhen können. Für einen VSOP aus dieser Preiskategorie ist das schon beachtlich. Es zeigt sich ein leicht birnenfarbener, kräftiger Goldschimmer.

Der VSOP-Cognac von Bertrand.

In der Nase ist der Cognac recht dezent, beinahe schon unauffällig. Leichte Holztöne sind präsent, winzige florale Spuren sind zu erkennen, auch birnige Noten machen sich bemerkbar. Interessant ist wie weit hier die Dimensionen Duft und Geschmack auseinander gehen können, denn auf der Zunge zeigt sich dieser Cognac doch recht kraftvoll für seine 40%. Dominant sind pfeffrige Noten im Vordergrund, die aber eher einer kräftigen Schärfe gleichen als bissig zu wirken.

Das Geschmacksbild ist zu Beginn sehr breit und kräftig. Der Nachgeschmack jedoch hält nur relativ kurz an, verflüchtigt sich schnell und wirkt sogar fast wässrig im Abgang. Vielleicht scheint der Nachklang aber so sanft, weil die Schärfe zu Beginn so dominant auftritt. Im Glas verbleiben nur recht dezente Holznoten.

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2. Cognac Bertrand – Napoléon

Dieser Napoléon wurde 20 Jahre in Eichenfässern gelagert. In der Flasche scheint der Cognac noch etwas dunkler als die XO-Variante. Es zeigt sich ein tiefes, dunkles Braun. Die lange Lagerung verspricht vermutlich nussige und hölzerne Töne, die es zu entdecken gilt.

Bertrands Napoléon-Cognac.

Deutlich bemerkbar wirkt sich die höhere Komplexität dieses Cognacs im direkten Vergleich zum VSOP bereits in der Nase aus. Eine leichte angenehme Süße ist erkennbar. Jedoch fiel nach mehreren Tastings eine leicht kneifende Note beim Geruchstest auf. Üblicherweise lässt sich hier ein höherer Alkoholanteil vermuten, jedoch liegt auch dieser bei 40%. Geschmacklich ist ebenfalls eine leichte Schärfe festzustellen, die aber weniger pfeffrig wirkt.

Der Nachgeschmack hält nun deutlich länger an. Angenehme nussige, erdige Aromen können sich entfalten. Erinnern tut dieser Bertrand hier fast an einen Martell Cordon Bleu, jedoch ist dieser Napoléon ausbalancierter und hat nicht so eine ausgeprägte Tiefe. Leichte Röstaromen deuten Kakaonoten an. Solche sind bei einem Cordon Bleu beispielsweise deutlich prägnanter. Im Vergleich zum VSOP ist dieser Cognac weniger scharf und dafür ein wenig erdiger. Auch hier verbleibt nur ein sehr dezenter Duft im Glas.

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3. Cognac Bertrand – XO

Überraschen konnte mich dieser etwa 35 bis 40 Jahre alte XO. Üblicherweise werden die Bertrand-Cognacs in schicken aber dezenten Flaschen verkauft. Das eher geradlinige Konzept soll den Fokus hauptsächlich auf das eigentliche Produkt lenken. Der XO jedoch fällt aus dieser Idee etwas heraus. So wird er standardmäßig in einer eindrucksvollen tränenförmigen Glaskaraffe angeboten.

Bertrands XO-Cognac.

Dieser Cognac wirkt sehr vielseitig. Am Geruch ist eine noch ausgeprägtere Süße zu erkennen. Er scheint fruchtiger, vanilliger, holziger. Alle Sinneseindrücke sind deutlich intensiver. Zu erwarten sind noch dezidiertere, klarer unterscheidbare Aromen. Tatsächlich zeigt sich von Beginn an ein toller und explosiver Geschmack, der sofort präsent ist. Volle Karamell- und Zitrusnoten paaren sich mit nussigen Momenten. Geschuldet dem direkten Vergleich mit den vorigen Bertrands, bleibt gedanklich die Erwartung an eine gewisse Schärfe. Diese ist hier nicht zu spüren. Diverse Aromen breiten sich gleichzeitig aus und fügen sich wieder zu einem Gesamteindruck zusammen. Zudem wirkt der XO sehr angenehm und weich auf der Zunge sowie am Gaumen, trotz des leicht höheren Alkoholanteils von 42%. Das Finish ist reichhaltig und ausgesprochen lang. Beworben wird er mit Apfel- und Pfeffernoten. Diese konnte ich allerdings nicht bestätigen.

Generell hatte ich während des Tastings Schwierigkeiten bei allen Bertrands, einzelne Nusssorten zu identifizieren beziehungsweise diese näher benennen zu können. Irreführend war vor allem bei dem VSOP die deutliche hervorgehobene Schärfe, die die holzigen und nussigen Noten überlagert haben. Sowohl Bertrands VSOP als auch der Napoléon haben einen kantigen, fordernden Charakter gezeigt. Von einer Bissigkeit zu sprechen, wäre hier also vielleicht das falsche Wort. Persönlich überzeugen konnte mich deshalb die rundere XO-Variante. Max hat mich darauf hingewiesen, für das nächste Tasting ein tulpenförmiges Nosing-Glas zu verwenden. Ich bin gespannt, inwiefern sich Gerüche und Geschmäcker intensivieren werden.

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Autor/in

Vom Einsteiger zum Experten – Begleitet mich, wie ich die Welt des Cognacs entdecke.

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